Am Ende der Welt

Autor: Sami Limam
Sonntag, 05 Dezember 2010

  • „…und nachdem wir den Gefangenen den hiesigen Bütteln in Mudrawar übergeben haben, trafen wir auch unsere mittlerweile erwachten Gefährten wieder an. Die Heilerin Ygraine versorgte sie auf geheiß der beiden Händler. Unsere Abmachung galt weiterhin. Wir beschützen und begleiten sie bis Perricum…“
    - aus den persönlichen Aufzeichnungen Helvetian Eisenkobers, Travia 1026 

    „…Aber wenn ich es dir doch sage: er kam direkt auf Dschelef und mich zu. Ich war am überlegen, woher ich sein Gesicht kannte, kam aber nicht darauf. Und dann präsentierte er uns den Siegelring und jeder Zweifel war verblasst. Vor uns stand Helvetian Eisenkober, der Sohn von Magnus Eisenkober, dem letzen Fahrer des Donnersturms! Natürlich ließen wir ihn ohne zu zögern passieren. Er verblieb eine ganze Weile auf den Mauern und betrachtete die Donnersturmfelder…“
    - ein Gespräch mehrerer Gardisten, aufgeschnappt in einer Taverne in Baburin, Travia 1026

    „…Du hättest es sehen sollen Oheim! Perricum ist ein echtes, rondrianisches Bollwerk! Die Löwenburg, die Hafenanlagen mit den Kriegsschiffen und die Verteidigungsanlagen. Sie strahlen etwas Erhabenes aber auch Mächtiges aus! Sie vermitteln das Gefühl von Schutz…

    Wie dem auch sei, auf Geheiß unserer Gönner, die hier übrigens eine Porzellan-Manufaktur betreiben, gingen wir also in ein Badehaus, nachdem wir uns im Hotel Silberstern einquatiert hatten. Barax war natürlich nicht begeistert, aber ob Du es glaubst oder nicht, er hat sich nach und nach immer mehr überwunden und ist ins Wasser gekommen. Es hat viel Zureden gebraucht und eine helfende Hand, aber er hat seine Angst überwunden. Erneut! Ich bin sehr stolz darauf, einen solchen Angroschim meinen Freund nennen zu können…“
    - aus einem Brief von Helvetian Eisenkober an Kubax, Sohn des Karamix in Angbar

    „…Es war grauenhaft! Sowas habe ich noch nicht gesehen…in meinem ganzen Leben noch nicht. Es war widerlich, gradezu abscheulich…im Hotel Silberstern, hatte sich ein grausiger Mord zugetragen. Alle Gäste waren abschlachtet worden. Der arme Stallbursche garte über dem Feuer, die Magd war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Gäste des Hauses schienen allesamt im Schlaf überrascht worden zu sein. Gerade die drei Offiziere waren besonders übel zugerichtet worden.

    Überlebt haben das ganze nur 7 Personen, mehr oder weniger zweifelhaften Rufes. Darunter ein Zwerg und ein Zauberer. Das war mir gleich verdächtig. Wo doch jedermann weiß, wie sehr die Zwerge die Magie verabscheuen. Sie riefen zwar selbst nach der Garde, aber ich ließ sie dennoch inhaftieren. Leider konnte keine Schuld deutlich erwiesen werden. Das Verhör wurde jäh unterbrochen, als ich sie auf geheiß der ODL in ihre Obhut übergeben musste. Wer weiß, was der Großmeister mit Ihnen vor hat?“
    - aus einem Gespräch in der Offiziersmesse, Travia 1026

    „…Nachdem wir beim Großmeister der ODL, Tarlisin von Borbra, angekommen sind, bat er uns um Hilfe. Es gibt eine Widerstandsgruppe mit dem Namen Das letzte Banner. Von diesen ist nur viel zu lange keine Kunde mehr gekommen. Er bat uns, in die Schwarzen Lande zu reisen, in die Warunkei um genau zu sein, und nach ihnen zu suchen. Da Malmar Groscha Xamosch in den Händen des Wahnsinnigen sein muss und dieser ebenfalls in Richtung Schwarze Lande unterwegs war, willigte ich nur zu gerne ein. Und meine Gefährten folgten mir nur zu bereitwillig. Wir bekamen dem Herrn Boron geweihte Waffen und anderweitige Ausrüstung, wie Heiltränke und geweihte Graberde. Dann wurden wir am nächsten Tag in einem kleinen Schifferboot an der Küste der Warunkei ausgesetzt. 

    Ich sage die Oheim, das Land ist tot. Dies ist keine Erde, in der ein Mensch begraben werden sollte. Wir waren keine zwei Stunden hier, da begegneten wir bereits den ersten Knochenmännern. Ein ganzes Dorf war leer. Überall nur die Spuren in der Erde von den Toten , die sich freigegraben hatten. Nur ein einziges Haus blieb übrig, in dem noch Leben war. Es waren zwei Kinder. Wir nahmen sie mit. Heute weiß ich, dass dies ein Fehler war. Aber aus Fehlern lernt man, nicht wahr? Sie führten uns zu dem vermeintlichen Treffpunkt mit dem Widerstand. Eine Art Weiler. Wir hätten diesen von den Göttern verlassenen Ort niemals betreten dürfen…Hier hat sich der Abschaum versammelt, der übrig geblieben ist, nach 7 Jahren Herrschaft durch den Schwarzen Drachen. Wir fielen natürlich auf. Grade mit den beiden Kindern. Und so kam es, wie es kommen musste: die Schergen des Drachen fanden uns und verurteilten den kompletten Weiler dazu, für den Endlosen Heerwurm rekrutiert zu werden.

    Zu diesem Zeitpunkt war im obersten Geschoss im Zimmer bei Barax und Parinor. Als ich den Lärm hörte sprangen wir auf und rannten Richtung Treppe. Was ich dort sah, verschlug mir die Sprache. Am Fuße der Treppe standen unsere Gefährten: Lynn, Marik und Ygraine. Auf Höhe der Mitte der Treppe war er: ein Mann, mit fettigen schulterlangen Haaren, vernarbten und verunstaltetem Gesicht, speckiger Kleidung, dem der Wahnsinn in den Augen bereits abzulesen stand. Er hatte das Mädchen, die Klinge eines Dolches an ihrem Hals. Und er kam genau auf uns zu.

    Wir wichen vor ihm zurück, die anderen rückten nach. Er dirigierte uns Richtung Balustrade. Ich wechselte mehrere Male Blicke mit Marik. Warum unternahm der Zauberer nichts? Er verstand mich nicht. Dabei wäre es so einfach gewesen. Ein einfacher PARALYSIS auf das Mädchen und der Harlekin hätte keinen Schutz mehr gehabt. Aber Marik verstand meine Blicke nicht. Und so kam es, wie es kommen musste. Als wir auf der Balustrade ankamen und er sich an ihr Ende bewegte, durchtrennte er dem Mädchen die Kehle und warf einen Hylailer Granatapfel zu Boden. Er war fort, es brannte und nach kurzer Zeit, gab auch die Balustrade nach. Wir versuchten über das Dach zu fliehen, doch bei diesem Versuch verloren wir Ygraine, Escailio und den Jungen. Sie stürzten ab, mitten in den Haufen von Drachengardisten. Ich konnte nichts für sie tun. Wir versuchten uns zu retten, indem wir weit weg vom Weiler in Richtung einer Baumgruppe liefen. Parinor stürzte dabei in eine Fallgrube, kurz bevor wir das Wäldchen erreichten. Nachdem wir ihn hochgezogen hatten, waren wir umstellt von Armbrustschützen. Ich bin ein schlechter Anführer, mein Oheim. Ich habe meine Kameraden im Stich gelassen. Vater hätte das nie erlaubt. Aber Vater wäre auch erst gar nicht in so eine Situation geraten. Und nicht nur das. Anstatt jene zu retten, die übrig geblieben waren, führte ich sie in einen Hinterhalt…“
    - aus einem Brief von Helvetian Eisenkober an Kubax, Sohn des Karamix in Angbar

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