Die Saga Aventuriens - Kapitel V

Das Jahr des Feuers

Aus der Asche

"Nun lies schon weiter, Vater. Ich möchte doch wissen, wie die Geschichte weitergeht..." Die Jungzwergin strampelt in ihrem Bett, um zu unterstreichen wie sehr sie sich wünscht, dass ihr Vater doch endlich weiterlesen soll. Ihr Vater, der auf einem Schaukelstuhl vor ihrem Bett sitzt, ein geschlossenes Buch auf seinem Schoß, klopft seine Pfeife in einer kleinen Schale aus und legt sie beiseite. "Erinnerst du dich denn auch noch, was ich dir zuletzt vorgelesen hatte?" Als hätte die Zwergin nur auf diese Frage gewartet, beginnt sie sofort zu erzählen. "Der Schurke war nach hartem Kampf besiegt.Reo hatte Lodrik geheilt und Lynn schaffte es den totgeweihten Heldar mit einem Kuss das Leben zurück zu geben." "Korvina, das Gedächtnis hast du ganz sicher von deiner Mutter geerbt." Das Zwergenmädchen, keine 8 Sommer alt, beginnt stolz zu strahlen. "Dann wollen wir dort auch weiterlesen, wenns dir beliebt." Korvina lächelt froh und kuschelt sich gemütlich in ihr Kissen, während ihr Vater das Buch aufschlägt, ein wenig darin blättert, bis er die richtige Stelle gefunden hat. Und er beginnt vorzulesen...

Als alle Wunden geheilt waren, machten Lodrik und ich uns daran ein Grab für "Reto" auszuheben. Coran Grassberger besaß bereits eins auf der Nekropole zu Gareth, Reto würde seins nun finden. Anschließend machten wir uns direkt auf den Weg Richtung Winhall. Wir hatten schließlich noch Königin Invher die Nachricht des Kronprinzen auszurichten, ehe wir uns auf den Weg Richtung Punin machen konnten.

Nachdem wir in Winhall erfuhren wo die Königin sich vermutlich aufhalten würde und Reo, der Erzähler einen Handel in meinem Namen abschloss, mit dem ich nicht so wirklich einverstanden sein konnte, reisten wir anschließend in Richtung Orbatal. Den Erzähler strafte ich mit Schweigen.

Die Reise durch das immernoch kriegserschütterte Albernia setzte jedem von uns zu. Ganz egal wieviele Schlachtfelder er schon gesehen hatte oder nicht. Hier war der Feind kein Ork oder Dämon, es waren langjährige Waffenbrüder und ich fragte mich, wieviele der Männer, ihrer Väter oder Großväter ich wohl mal kennengelernt hatte. Baeromars Laune verschlechterte sich auch zunehmend. "In Weiden würde es so etwas nicht geben“, sagte er immer wieder. Womöglich hatte er sogar recht, aber an der verzwickten Situation, die diesen Krieg ausgelöst hatte, änderte es nichts.


[...] und so schmiss ein verbitterter Weidener Ritter den Ring mit dem Wappen der Familie von Gareth, der als Zeichen der Freundschaft Prinz Selindians und Königin Invher ni Bennain gelten sollte, einfach in Richtung der Königin und stapfte von dannen. In dem Moment wurde mir ganz mulmig und ich hoffte, ich müsste nicht wegen den Launen des Ritters dafür büßen mich ihnen angeschlossen zu haben. Den Götter sei Dank gelang es Reo die Wogen zu glätten. Die Königin teilte uns ihre Forderungen mit, die erfüllt werden müssten, damit Albernia in das Reich zurückkehrte. Wir verblieben noch einige Tage im Feldlager der Albernischen Truppen in Orbatal und ich war ein mal mehr froh über den Wurzlöffel, der aus jeder noch so schlimmen Mahlzeit ein wenigstens halbwegs genießbares Gericht machte.

[...] Als wir endlich die Grenze zu Almada erreichten, die Route war mir ganz neu, steigerte sich meine Vorfreude Punin wieder zu sehen. Viel Zeit war vergangen und ich ließ meine Gedanken streifen, schwelgte in schönen Erinnerungen. Ich dachte daran, wie ich einst von Magnus Vater mit einer seiner Schwestern verheiratet werden sollte. Ich musste grinsen. War es Magnus Vater oder seine Mutter, die immer, wenn sie mich sah rief "Eine Hochzeit sage ich..". Auf andere Gedanken zu kommen war leicht in Almada, denn hier tobte kein Krieg. Ganz im Gegenteil. Die Menschen waren in einer wahren Hochstimmung. Der Grund war, dass die Hochzeit zwischen Kronprinz Selindian und Tulameth saba Malkillah, der erstgeborenen Tochter des Kalifen der Novadis stattfand. Almada hätte dann endlich wieder einen König. Ich weiß, dass es einige meiner Kameraden ärgerte, dass man hier in Hochstimmung war, während in Albernia Krieg, Tod und Meuchelei wüteten. Doch das Volke Almadas hatte ein Recht zu feiern.

[...] Wir hielten in Neu-Süderwacht um dort in einem Gasthaus unterzukommen. Graf Eslam von Eslamsbad weilte auch in dieser Kleinstadt, da er im Auftrag des Kronprinzen als Werber unterwegs war. Ein diplomatisches Gespräch stünde für ihn noch aus, dann würde auch er sich in Richtung Punin aufmachen. Wir beschlossen uns dem Grafen anzuschließen. Lynn, Heldar und ich besuchten das hiesige Badehaus. Da ich durch meine Vorfreude auf Punin in Geberlaune war, lud ich die beiden ein. Es war sicherlich nicht das prachtvollste Badehaus auf ganz Dere, aber das musste es auch nicht sein. Auf meinen Rat hin, stiegen die beiden Turteltauben zunächst in das Kalte Becken, später in das Warme. "Endlich mal jemand, der auf mich hört", dachte ich so bei mir. Während ich es mir später im warmen Becken gemütlich machte und mir dabei den Bauch vollschlug, turtelten Lynn und Heldar vergnügt vor sich hin. Das es zwischen den beiden heftig gefunkt hatte, hätte selbst Grubengero mitbekommen. Bei dem Gedanken musste ich lachen. Grubengero war tatsächlich der einfachste Tölpel gewesen, der mir in einem so langen Leben bisher begegnet war. Möge Boron seiner Seele gnädig sein.

[...] Endlich erreichten wir Punin. Ich kannte das geschäftige Treiben auf den Straßen Punins, aber das was uns nun erwartete war ja schon nicht mehr feierlich. Die Straßen waren zum Bersten voll und verstopft. Ich weiß nicht, ob es an der Berühmtheit meiner Begleiter oder der Bewunderung des Volkes für Graf Eslam lag, aber es bildete sich, den Göttern sei Dank, eine Gasse für uns, die es uns möglich machte, auf direktem Wege zur Eslamidenresidenz zu reiten. Der Palast zeugte wirklich vom Reichtum Almadas. Soviel Dekadenz, ohne dabei übertrieben zu wirken. Ich hatte schon immer eine Schwäche für den alt -tulamidischen Stil mit schweren Teppichen an den Wänden. Ein Genuss für meine Sinne. Während wir darauf warteten in den Thronsaal zu Prinz Selindian vorgelassen zu werden, ereignete sich etwas in der Eslamidenresidenz. Wir trafen auf die Töchter des Kronverwesers. Sie waren wohl ihrer Amme entwischt und wollten einen Blick auf die Prinzessin werfen. Leider konnte ihr Versteck hinter einem Wandvorhang nur ihre Amme austricksen. Ihr Flüstern war so laut, dass selbst Grubengero... Wie dem auch sei. Wir verrieten die kleine Yaquiria und Corvina natürlich nicht an ihre Amme, trotzdem rieten wir der kleinen Corvina, dass sie sich besser wieder in ihr Bett begeben solle, denn sie war ganz schlimm krank und hustete am laufenden Band.

[...] Als wir den Kronprinzen endlich erblickten, erinnerte Nichts an den stattlichen jungen Mann, den wir noch aus Elenvina in Erinnerung hatten. Er sah krank, alt und eingefallen aus. Während es mir eher zu warm war, trug ich doch immernoch diese vermalledeite Rüstung, die sicher wehrhaft, aber völlig unbequem war, schien der Prinz zu frieren. Als er uns erblickte, wollte er auf uns zukommen, doch nach einigen Metern brach er bereits zusammen. Sofort eilten Leibmedica und Leibmagus herbei, doch auch sie konnten nicht verhindern, was unabdingbar war. Der Prinz war tot. Sofort war jegliche Freude auf Almada, Punin und den Gedanken vielleicht der Hochzeit bewohnen zu können, verflogen und machten Platz für düstere Gedanken. Die Hoffnung auf einen von Gareth auf dem Thron des Mittelreichs war mit dem Prinzen gestorben. Frieden zwischen Albernia und dem Reich ebenso. Jast Gorsams Herrschaft über das Mittelreich war nun nicht mehr auf maximal 7 Jahre begrenzt. Reo verließ den Saal und Palast und ich folgte ihm mit gebührendem Abstand. Ich hatte dabei Mühe ihn nicht in den Massen von Menschen zu verlieren. Nachdem er sich das Gasthaus von Magnus Eltern ansah, wo zu meiner Überraschung kein Eisenkober mehr am Tresen stand, führte ihn sein Weg zu Magnus Grab. Erst dort schloss ich zu ihm auf. Er kniete vor Magnus Grab und ich legte ihm meine Hand auf die Schulter, denn er musste sich schrecklich alleine fühlen in diesem Moment. Mir ging es ganz genauso. Das Grab von Magnus schien gepflegt und ich war froh darum. Doch sein Verlust schmerzte mich nach all den Jahren immernoch. Und nun war auch noch Helvetian gegangen. Natürlich hatte ich Familie und ich liebte meine Familie über alles. Doch zu meinen Freunden Magnus und Reo hatte immer ein ganz besonderes Band gehalten. Reo ließ eine Blume auf Magnus Grab entstehen und mir kamen die Tränen. Reo sprach mit mir, doch ich konnte seine Worte kaum vernehmen.

[...] Zurück in der Eslamidenresidenz erfuhren wir, dass wir mit der Aufklärung des Todes des Kronprinzen beauftragt worden waren. Lynn und Heldar hatten bereits die Gemächer des Kronprinzen aufgesucht und dort eine Flasche und einen Brief gefunden. Der Brief sagte aus, dass der Kronprinz vorhatte den bisherigen Kronverweser Dschijndar von Falkenberg-Rabenmund in das Horasreich zu versetzen. Während die Anderen dies für ein glaubhaftes Motiv hielten, empfand ich die Versetzung in das Horasreich nicht gerade als Bestrafung. Einig waren wir uns darüber, dass Jast Gorsam natürlich am meisten vom Tode des Prinzen profitierte. Und wir hatten uns sowieso gewundert, warum Ugdane vom Großen Fluss sich am Hofe aufhielt. Rondrigan Paligan, der uns auch beauftragt hatte den Tod aufzuklären sagte, sie wäre als Sonderbotschafterin am Hofe zu gegen. Baeromar fand später heraus, dass sie von ihrem Großvater geschickt wurde, um für Zwietracht am Hofe zu sorgen. Während es Reo nicht gelang den Olginsud (eine Substanz, die die Leibmedica dem Prinzen jede Woche unters Frühstück rührte um ihn gegen Gifte und Krankheiten zu schützen) nutzte er seine Kontakte zur hiesigen Magierakademie. Dort fand man heraus, dass der Olginsud tatsächlich vergiftet war. Die Befragung der Leibmedica dazu brachte ans Licht, dass sie den Olginsud vom Kronverweser erhalten habe. Die Befragung dessen brachte ans Licht, dass es unterschiedliche Angaben über die Zeitpunkt gab, an dem die Medica den Sud erhielt. Es war ein Hin und Her. Bei einer weiteren Befragung der Leibmedica Toronaya Espenlaub untersuchte Reo sie magisch und konnte erkennen, dass ihre Erinnerung manipuliert sei. Zu unserem Erstaunen wusste sie jedoch davon. So habe sie sich vor 2 Sommern eine schmerzhafte Erinnerung aus ihrem Gedächtnis löschen lassen, an eine Aufhebung des Zaubers sei jedoch nicht zu denken, denn das sei ihre Privatsache.

[...] Als wir unsere Erkenntnisse vor dem Triumvirat, dass nun herrschte um Graf Rondrigan, Ugdane vom großen Fluss und Alara Paligan vortrugen, entschied Prinzessin Ugdane, dass sowohl der Kronverweser als auch die Leibmedica sofort verhaftet werden müssen. Die Anklage lautete Reichsverrat, heimtückischer Mord, Schwächung des Reiches und vieles mehr. Auf all diese Anklagepunkte stand der Tod. Nicht nur, dass es bisher keine eindeutigen Beweise für die Schuld eines der Angeklagten gab, nun hatte auch noch eine vom Großen Fluss das Sagen? Unser Unmut war uns sicherlich anzusehen. Möglicherweise auch deshalb kam Graf Rondrigan am späten Abend in unseren Gemächern auf uns zu und bot uns an, uns noch einmal mit den Angeklagten sprechen zu lassen. Er selbst riskierte dabei Kopf und Kragen, aber er hielt Wort. In den führen Morgenstunden des nächsten Tages brachte er uns in den Kerker, wo wir sofort Toronaya Espenlaub aufsuchten. Was dann geschah, kann ich nicht erklären, aber ich versuche zu beschreiben was passierte. Nachdem die Medica sich erneut weigerte etwas gegen die Manipulation ihrer Erinnerung zu tun, legte Baeromar ihr die Hand auf die Stirn. Dass er ein Mal auf der Handfläche trug, fiel mir dort zum ersten Mal auf. Als er Toronaya Espenlaub die Hand auf die Stirn legte ging ein Licht von der Handfläche des Ritters aus. Als ob die Pure Kraft des Herrn Praios durch ihn geflossen sei, schien er damit die Magische Manipulation der Medica aufgelöst zu haben. Und so berichtete sie uns, dass es nicht Dschijndar von Falkenberg-Rabenmund war, der ihr den Olginsud gab, sondern eine ältere Frau mit grauen Haaren, gekleidet in Magierroben. Sie übergab ihr eine schwarze Phiole und befahl ihr wohl magisch dem Prinzen den Inhalt unter das Essen zu mischen. Als sie den Befehl ausgeführt hatte, traf sie sich erneut mit der Magierin im Palast und diese veränderte wohl dann ihre Erinnerung dahingehend, dass sie den vergifteten Sud vom Kronverweser bekam und die magische Beeinflussung die Reo sah vom Auslöschen einer schmerzlichen Erinnerung kam. Doch wer war nur die Frau? Toronaya kannte sie nicht. Nun wurde die Zeit knapp, und bevor wir die Schlüssel zurück zu Graf Paligan brachten, wollten wir den Kronverweser noch über die gute Nachricht informieren. Doch wir kamen zu spät. Der Kronverweser lag tot in seiner Zelle, neben ihm ein Weinschlauch und ein Kärtchen, das darauf hinwies, dass die Frau des Kronverwesers ihm den vergifteten Schlauch zukommen ließ.

[...] Nachdem wir Rondrigan Paligan die Schlüssel zurückbrachten und ihn über die neuen Erkenntnisse aufklärten, kam ein Bote des Raben von Punin auf uns zu. Der Rabe wolle uns sehen. Lodriks Quest um den Stab des Vergessens hatte ich zu dem Zeitpunkt schon vollkommen vergessen. Zuviel war in den letzten Wochen und vorallem den letzten Tagen geschehen.

 

[...] Und so erzählten meine Kameraden dem Raben von Punin von Rhazzazor, dem Stab des Vergessens, dessen Kraftlosigkeit, und dem Misserfolg Coran Grassberger dazu zu bewegen seine Bestimmung zu erfüllen. Der Rabe von Punin lauschte, fragte nach und erklärte uns im Anschluss, dass der Stab des Vergessens keineswegs verloren sei, sondern er sei im Ringen mit unheiligen Kräften. Um die Kraft Borons in dem Artefakt soweit zu stärken, dass er die Erzdämonische Unheiligkeit besiegen kann, müsse er einer Heiligung unterzogen werden. Dazu sei eine von Boron berührte Seele von Nöten. Dies sei in unserem Fall Bruder Zyriak alias Coran Grassberger. Dafür müssten wir dessen Seele aus Borons Hallen zurückholen.

 

[...] Mich plagten große Zweifel, ob ich wirklich wollte, dass meine Seele vom meinem Körper getrennt würde. Naja, von wollen konnte schon gar keine Rede sein. War es meine Aufgabe? Still verfluchte ich mich dafür, wo ich hier nun schon wieder hineingeraten war. Meine Freunde und Kameraden zu begleiten war eine Sache, den Tod des Prinzen aufzuklären beinahe eine Ehre, aber hier sollte nun mein Körper von meiner Seele getrennt werden. Ich sollte in Borons Hallen reisen? Ich? Ein Angroschim? Mir wurde schlecht. Was, wenn ich den Weg nicht zurück finden würde? Der Rabe hatte gesagt, innerhalb von 5 Tagen müssten wir den Weg in unsere Körper zurück gefunden haben, sonst würden wir für immer als Geister in dieser Sphäre wandeln. Ich? Ein Spukgespenst? Mir wurde noch schlechter. In dem Moment sagte Reo, mein treuer Freund Reo dem Raben zu. Als der Rabe mich anblickte und meine Antwort erwartete, blickte ich Reo in die Augen und sagte zu. Der Rabe führte uns daraufhin in die Halle des Todes. Für mich bis zum heutigen Tage der finsterste Ort, den ich je besucht habe. Nachdem jeder von uns etwas Blut in eine Schale gegeben hatte, mussten wir nacheinander von Marbos Blut trinken. Innerhalb der nächsten Stunden würden wir nun in einen todesähnlichen Schlaf fallen. Ein Novize begleitete uns von nun an mit einem Leichenkarren. Der Rabe wolle Totenwache für uns halten und nur dann würden wir den Weg in unsere Körper zurückfinden.

[...] Als wir wieder an der Eslamidenresidenz ankamen war mir immernoch schlecht und der Geruch von Marbos Blut, es roch stark nach Mohnkuchen, war immernoch in meiner Nase gefangen. Während Heldar und Reo sich aufmachten um die Familie des Kronverwesers aufzusuchen, gingen Baeromar, Lynn und ich auf die Wachen zu um einzusehen, wer wann den Palast betreten hatte. Wir mussten herausfinden, wer die Magierin war, von der Toronaya erzählte. Nach einiger Zeit, von der wir ja nicht wussten wieviel wir noch haben, erfuhren wir von den Wachleuten, dass unsere Beschreibung der Person und Tatzeit auf Sulhamin al'Arruq zutrifft.

[...] Schnell hatten wir uns Zutritt zu dem Zimmer der Magistra verschafft. Sie war jedoch nicht anwesend. Während wir das Zimmer der Magistra durchforsteten platzte ihr Lehrling herein, der versuchte Baeromar zu verzaubern, was jedoch daneben ging. Stattdessen setzte es ein paar Schellen für den Jungen, bis er uns verriet, dass seine Herrin vor ungefähr 2 Tagen gen Norden, vermutlich Richtung Gareth aufgebrochen ist. Dem Jungen gelang es zu fliehen, als Baeromar zusammenbrach. Marbos Blut begann zu wirken. Wir mussten uns beeilen. Doch bevor wir gingen, fanden Heldar und ich noch die Schlüssel zum Lösen des ganzen Mordanschlags.

Folgendes war geschehen:
Der Prinz wurde gar nicht vergiftet. Die Flüssigkeit, die Toronaya Espenlaub in sein Essen mischte, war ebenfalls Marbos Blut, dasselbe, dass ich und meine Kameraden vor einigen Stunden zu uns nahmen. Der Prinz fiel also in einen todesähnlichen Schlaf, aber alle außer Eslam dachten, er sei tot. Eslam hielt nachweislich Totenwache an Selindians Leichnam. Sulhamin al'Arruq war eine Koryphäe in den Bereichen Beherrschung und Geisterbeschwörung. Sie beschwor also den Geist des Prinzen um herauszufinden wo dieser das Auge des Morgens (hinter dem Eslam im geheimen her war) versteckt hat. Eslam erzählte uns in Neu-Süderwacht noch, dass der Prinz über Gareth und das Tal der Kaiser gereist war. In einem Abschnitt des Testaments Rohajas fanden wir auch den Grund, warum Eslam das Auge des Morgens wollte. Er wurde von Rohaja in der Thronfolge hinter ihrem Bruder Selindian platziert. Mit dem Auge des Morgens hätte er ein machtvolles Artefakt und vorallem Reichsinsignium auf seiner Seite. Den Tot des zukünftigen rechtmäßigen Herrschers über das Mittelreich nahm er dabei natürlich gerne in Kauf. Was für ein ausgefuchster Bastard dieser Eslam doch war. Nachdem uns der Plan Eslams klar war und Baeromar auf den Leichenkarren geschafft wurde, holten wir sofort Heldar und Reo am Palast ab und reisten zum Gebrochenen Rad. Natürlich informierten wir vorher noch Rondrigan Paligan über die Lösung und übergaben ihm die Beweise. Er sollte sich nun um alles weitere kümmern, denn wir würden die nächsten Tage nicht zur Verfügung stehen.

 

[...] Nach und nach waren alle meine Kameraden und Freunde in diesen todesähnlichen Schlaf gefallen. Ich war der Letzte den es traf. Bis es soweit war, vergingen Äonen. Ich fühle mich nicht fähig das Gefühl ein Geist zu sein in Worten auszudrücken. Daher werde ich es hier auch gar nicht versuchen. Wir reisten dem Prinzen nach um ihn vor dem Unheil zu schützen. Und es gelang uns, sowohl den Prinzen zu retten, als auch seine „Mörder“ auszuschalten. Wir bargen mit Hilfe des Prinzen das Auge des Morgens und brachten es nach Punin zu Rondrigan Paligan. Dann wurde es Zeit für uns endlich die Reise in Borons Hallen anzutreten um Coran Grassbergers Seele zurückzuholen. Um in Borons Hallen zu gelangen, mussten wir Golgari über das Nirgendmeer folgen, wenn er die Seele eines frisch verstorbenen holte. Es gelang. Was in Borons Hallen passierte, bzw. was ich dort erlebte werde ich hier ebenfalls nicht niederschreiben. Diese Erfahrung macht man selbst oder nicht.

Ich öffnete meine Augen und fühlte mich als hätte ich ein Äon lang geschlafen. Dann schaute ich nach meinen Gefährten. Nach und nach kam auch das Leben in sie zurück. Nur in Reo nicht. Ich fühlte mich noch nie so hilflos wie in dem Moment. Ich blickte mit Tränen in den Augen zum Raben von Punin, doch dieser schüttelte nur den Kopf. Ich schüttelte Reo, schlug auf seine Brust. Er wusste, dass so etwas passieren würde. Ich hatte ihm noch gesagt, er solle ja dafür Sorgen zurück zu kehren. Doch er sagte nur auf seine typische Reo-Art, ich müsse mich nun an das neue Licht halten. Er meinte Baeromar. Ich sagte ihm, er solle mir nicht so kommen, er sei immernoch ein formidables Licht. Und nun das.

Irgendwann kehrte der Rest von uns zurück. Der Stab des Vergessens war wieder wie neu. Das Ritual hatte geglückt. Mich interessierte es nicht. Die ganze Zeit hatte ich versucht Reo aufzuwecken, doch es funktionierte nicht. Ich vergoss unendlich viele Tränen für meinen sehr alten Freund.

 

Wir waren dann noch Zeugen der Krönung von Selindian Hal zum König von Almada. Als er mich jedoch fragte, welchen Wunsch er mir erfüllen könnte, zum Dank, sagte ich ihm, dass mein Herz noch zu sehr trauerte.

[...] Graf Rondrigan, der inzwischen zum Wächter des Schwarzen Auges sprach uns direkt an, da wir nun die Hüter des geheimen Reichsiegels waren. Er wollte das Auge des Morgens benutzen um einen Vorteil gegenüber Rhazzazor zu besitzen und zu wissen wie es um Albernia stand. Wir willigten ein. Als wir das Auge benutzten verstand ich auch endlich, was für eine Macht das Auge besaß. Nachdem es aktiviert wurde, flüsterte Rondrigan Paligan den Namen der Albernischen Königin Invher ni Bennain und schon sah man sie im Auge, auf einem Schlachtfeld, umgeben von etlichen Leichen. Der Graf zog einen Vergleich zu dem Krieg im Mittelreich, ausgelöst von Answin von Rabenmund und das Auge zeigte den Usurpator. Alt war er geworden, doch er schritt durch ein Heerlager. Sein Heerlager? Alle starrten ganz gebannt in das Auge des Morgens. "Answinisten oder Loyalisten" schoss es mir durch den Kopf. Als Lynn nach Reo fragte, zuckte das Auge nur einige male kurz. "Helvetian Eisenkober" sagte ich in Richtung Auge und dieses Mal antwortete es. Helvetian lebt. Er saß an einem Feuer, neben ihm ein ehemaliger Kamerad von Lynn aus der Zeit als sie gemeinsam reisten. Das Wissen das Helvetian lebte beflügelte mich sogleich. Ein Lichtblick. Endlich. "Krina, Tochter der Korgunde" sage ich etwas schuldbewusst, dass ich nicht eher nach ihr fragte. Das Auge zeigte meine Frau, die die beste von allen Frauen war, dazu meinen Sohn und auch Lodriks Familie ist zu sehen. "Also wurde der Alagrimm doch besiegt oder verjagt" dachte ich und dankte Angrosch still. In meinen Gedanken war ich nun bei meiner Familie. Und bekam kaum mit, wie Rondrigan Paligan beiläufig den Namen von Königin Rohaja erwähnte. Das Auge antwortete prompt. Es zeigte eine Frau die Holz hackt. Doch all der Stolz und die Last auf ihren Schultern war vergangen. Dann erlosch das Auge. Wir alle waren ganz perplex und schauten zu Graf Rondrigan, Tränen der Freude liefen ihm die Wangen herunter und er sprach aus, was alle dachte: „Königin Rohaja lebt!“

Als Kubax seine Augen von dem Buch nimmt und zu seiner Tochter schaut, bemerkt er erst, dass sie längst schlief. Er grinst und fragt sich, woran sie sich das nächste Mal wohl als letztes erinnert. Er steht auf, gibt seiner Tochter noch einen Kuss, nimmt Buch und Pfeife und löscht die Kerze, ehe er das Zimmer verlässt.


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