Schatten über Travias Haus

Autor: Daniel Peters
Donnerstag, 30 März 2017

  • Es war der 3. Peraine des Jahres 14 Hal. Wir waren gerade aus dem Orkland zurückgekehrt und hatten erfahren, dass wir dort 8 Sommer verbracht hatten. Allerdings hatten wir in Hivalla, wo wir uns befanden auch Sanya Winterkalt wiedergetroffen, die inzwischen zu einer jungen Frau und einer Geweihten der Peraine herangewachsen war. Durch Sanya lernten wir auch Mutter Hertgard kennen, eine Geweihte der Travia. Wir halfen ihr gerade den Kessel anzuheizen und eine Mahlzeit zuzubereiten, als sie uns zu verstehen gab, dass sie uns in einer Vision gesehen hatte. Wir sollten ihr helfen eine Expedition, die sie gerade vorbereitete in die Tat umzusetzen. Sie wollte die einen Wagenzug in die Grüne Ebene führen, und dort einen prächtigen Tempel der Travia zu errichten. Mutter Herdgard gab uns zu verstehen, dass sie uns in einer Vision gesehen hat und wir ihr nun helfen sollten diese Vision zu erkunden. Ich war geehrt, Teil dieses göttlichen Auftrags zu sein, aber warum ausgerechnet ich? Rodrik zog jedoch gleich los um Männer für den Wagenzug, den wir als Schutz begleiten sollten, aufzutreiben. Nach einer Unterredung mit Mutter Hertgard, erfuhr ich, dass unsere Reise uns unter anderem in meine alte Heimat Uhdenberg führen würde. Ich war alles andere als erfreut darüber, denn wenn ich nicht Acht gab, würde ich das Ziel nicht lebend erreichen. Am 11. Peraine kam Rodrik zurück. Es war ihm gelungen, einige Männer und Frauen zu finden, die sich der Expedition anschließen wollten. Und in den folgenden Wochen, wurden es immer mehr. 

     

    Die Experten die sich anschlossen waren:

    - Turundir, Sohn des Togomil

    - Krimosch, Sohn des Kramosch (Baumeister)

    - Thorbrand Walkjirsson (Schmied)

    - Dirla Altfeld und Ugo Dregeler (Sattler) (Neffe und Nichte von Thorbrand Walkjirsson)

    - Gero Zornbold (Tischler) 

    - Girte Zornbold(stationäre Verpflegung)

    - Ador Tucher (Fleischer)

    - Isha Sabanedim (Köchin)

    - Frinja Gerbero

    - Gero Harnischmacher (Vorarbeiter Holzfäller)

    - Falk Alrikshuber ( Dachdecker ) + Azubi Arnbold Krük?? -> Nachname nicht sicher

    - Tassino Markatos (Gravuer)

    - Raul Angbarer (Vorarbeiter der Steinmetze, Schwerverbrecher, Mörder) 

    - Nostriane Salzerin und Jasper Hubendamm (Maler)

    - Lorion Nebelsucher Seehoff (Medicus)

    - Roana Maurenbrecher (Gerberin)

    - Hagor Helmisch (Vorarbeiter Fuhrleute)

     

    Am 10. Ingerimm trafen große Wagen ein, die jeweils von 2 Bullen gezogen werden. Am 30. Raja waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Es gab ein Fest zum Abschluss und um sich auf die Reise  einzustimmen. Sanya wirkte irgendwie abweisend mir gegenüber und Mutter Herdgard gab mir zu verstehen, dass es mit Emotionen zu tun hat. Wenn es stimmte, was ich vermutete, war es besser dass sie abweisend war. Für eine Art dieser Beziehung hatte ich nichts mehr übrig. Auf dem Fest feierte ich nicht. Ich machte mir Sorgen um die schweren Wagen des Trecks die im besten Fall unbeweglich und schwer zu Manövrieren sind. In Rücksprache mit Rodrik legte ich eine Reihenfolge fest. 

     

    Von Vorne nach Hinten:

    - Wagen 1: Mutter Herdgard, 10 heilige Gänse, Schale des ewigen Feuers und diverse Tempelschätze.

    - Wagen 2: Ausrüstung für Architektur und Bauwesen

    - Wagen 3: Sanya, Saatgut sowie Verpflegung für den Treck für 10 Tage

    - Wagen 4: Amboss und Schmiedewerkzeuge

    - Wagen 5: Futter für die Rinder

    - Wagen 6: Heilausrüstung und Alchemiebedarf

    - Wagen 7: Ausrüstung der Steinmetze

    - Wagen 8: Dachschindeln und Baumaterial

    - Wagen 9: Farben und Baumaterial

    - Wagen 10: Holzfällerausrüstung und Baumaterial

     

    Die Reise begann am 1. Prais des Jahres 15 Hal, zur Mittagsstunde, als die Praiosscheibe am höchsten Punkte stand. Bis Uhdenberg verlief die Reise ereignislos. Ich ließ immer wieder Manöver durchführen um eine Verteidigung effektiver zu gestalten, doch durch die großen und auch sehr schweren Wagen ist das nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Es war jedoch besser als gar nichts zu tun. Uhdenberg erreichten wir am 6. Rondra. Die Wagen 5, 10 und 9 fuhren nach Udenberg hinein um weitere Vorräte und Güter aufzunehmen. Der Rest des Trecks umfuhr die Stadt unter meinem Kommando, ich wollte es vermeiden dieser Stadt zu nahe zu kommen.

    Ich redete mit Sanya. Sie schien unsicher zu sein, was sie von mir halten sollte, was ich ihr nicht verübeln konnte. Sie sprach von einer Macht, und von nächtlichen Träumen, die sie hatte und ich verstand kein Wort von dem, was sie da sagte. Sie beendete das Gespräch mit den Worten, „dass sie sich über ihre Gefühle klarwerden musste.“ Aha. Während wir auf die Rückkehr der drei Wagen warteten, die nach Uhdenberg gefahren waren, bekamen wir besuch. Der junge Kohlenbrander, mein Rivale, der mir schon nach Riva gefolgt war, hatte Wind davon bekommen, dass ich ich in der nähe war. Ironischerweise gehörte sein Vater zu den Sponsoren der Expedition. Kohlenbrander kam jedoch nicht allein. Er hatte ein paar seiner Handlanger dabei und wollte mich nun mitnehmen, um mich meiner gerechten Strafe zuzuführen. Ich weigerte mich jedoch und verwies darauf, dass er mich nicht angreifen könne, da ich teil dieser göttlichen Expedition bin und er sich sicher nicht mit den Göttern anlegen wollte. Zähneknirschend zog er ab. Er tat mir fast leid. Als der Wagenzug wieder komplett war, zogen wir weiter. 

    Am 17. Rondra durchquerten wir gerade eine enge Bergsstraße. Wir hatten Therion vorausgeschickt, doch er wurde von einer Lawine verschüttet. Als wir uns gerade daran gemacht hatten, Therion zu retten, griffen uns eine handvoll Oger an, die vom Kopfe des Gebirges Felsen auf uns regnen ließen. Ich wurde von einem der Felsen getroffen und Dunkelheit umfing mich. Als ich wieder erwachte, sah ich Talaen über mich gebeugt. Sie hatte mich gerettet. Rodrik hatte sich allein den Ogern gestellt und zwei von ihnen getötet, bevor die Zwerge mit ihren Armbrüsten dem Spuk ein Ende bereiteten. 

    Nachdem der Staub sich gelegt hatte, stellten wir fest, dass Wagen 4 zerstört war. Die Wagen 6, 10 und 5 waren so beschädigt, dass sie den Weg nicht fortsetzen konnte und wir hatten 10 Tote zu beklagen. Wir rasteten 2 Tage und setzten dann unseren Weg fort. Wir kamen nunmehr mühsam voran. 

    Am 26. Rondra erreichten wir die Grüne Ebene und begannen diese zu durchqueren. Nach wenigen Tagen, erreichten wir schließlich den Ort, den Mutter Herdgard in ihrer Vision gesehen hatte. Das Abladen begann und wir errichteten unser Lager. Am 5. Efferd ist der Hügel in der Nähe des Lagers fertig planiert und unser zwergischer Baumeister begann damit flüssigen Stein in eine Schalung zu gießen. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Am Abend wurde feierlich das erste Altarfeuer entzündet. Der Thorwaler Thorbrand Walkjirsson sagte mir, dass er meine Hilfe als Schmied brauchen könne.  Es war für mich eine willkommene Abwechslung. Ich konnte früher schon immer beim Schmieden abschalten und diese Welt hinter mir lassen.

    Am 6. Efferd begann ich Thorbrand in der provisorischen Schmiede zu helfen, nachdem ich das Problem der falsch platzierten Esse lösen konnte. Welcher Schmied stellte eine Esse schon an den Rand, das würde ich nie verstehen. Am Abend erreichte uns ein Wagen aus dem Osten. Es war ein fahrender Händler und Gaukler. Er stellte sich mir mit Emmeran Tannhauser vor. Er zeigte uns sein Warenangebot. Er schien von dieser Baustelle gehört zu haben, was dann auch zwangsläufig bedeutete, dass ihm noch weitere folgen würden. Am nächsten Morgen verkündete Mutter Herdgard, dass die Bauarbeiten länger als geplant dauern würden und wir begannen damit, die Schmiede und den Rest der Baustelle zu befestigen. Ein halbelfischer Bastardheiler setzte sich im Pavillon zu mir. Ich warnte ihn mir nicht zu nahe zu kommen, ob Halbelf oder ganzer, Elf bleibt Elf. Ich hasste diese spitzohrigen Bastarde!  Ich verließ das Zelt, da ich diese zwielichtige Gesellschaft nicht ertragen konnte. Später erfuhr ich dann, dass Talaen ihrer Akademie und ihrem Meister einen Besuch abstatten würde. Rodrik würde sie begleiten.

    Am 14. Efferd gab es leider die ersten Verletzten und bedauerlicherweise auch den ersten Invaliden zu melden. Der Palisadenwall ist abgesteckt und eine Landstraße ist in der Planung. Der Fluss, der die Ebene durchfließt, wurde umgeleitet um ihn an bestimmte Gebäude wie die Schmiede und die Heilerstube zu bringen. Außerdem brachte Sanya die erste Saat aus. Es handelte sich um Weizen, Hafer, Roggen sowie Kürbisse, Mohrrüben, Salat und Erdäpfel. Es wurden auch Setzlinge für Pflaumen- und Apfelbäume gepflanzt. In der Schmiede wurden nun, neben Nägeln oder Eisenwaren auch Geräte und Werkzeuge zur Bewirtschaftung von Feldern von mir geschmiedet. 

    Am 1. Travia kehrten Talaen und Rodrik zurück. Da der Winter nahte, brachten Sie für alle Winterkleidung, sowie Stiefel und Werkzeug mit Auch mir wollte sie einen Teil überlassen, doch ich bestand darauf, für die Sachen zu zahlen. Ich verstand nicht, wieso sie immer wieder so gut zu mir war. Außerdem erfuhren wir von den beiden, dass sich die Marmorlieferung für den Tempel verzögern würde. Wir mussten nun kleine Hütten für die vielen Menschen, die hier arbeiteten und lebten, bauen, um durch den Winter zu kommen. Ich schmiedete weiter Werkzeug und Nägel für die Bauarbeiten, während Rodrik beim Holzfällen hilft und Therion sich darum kümmert, das Fleisch haltbar zu machen.

    Beim Bau der ersten Hütte, geschah dann ein Unglück. Thorbrand Walkjirsson, unser Schmied starb, als er von einem herabstürzenden Balken erschlagen wurde. Es war also schon wieder geschehen. Er war nicht nur der Kollege mit dem ich geschmiedet habe, nein er war inzwischen auch zu so etwas wie einem Freund geworden. Ich hatte inzwischen viele Abende mit ihm und seiner Nichte verbracht und nun wurde er uns genommen. Was hatte ich bloß verbrochen. Ich konnte daraus nur schließen, dass es mein Schicksal war einsam zu bleiben. Der Anblick seiner trauernden Nichte brach mir das Herz, es war an der Grenze dessen was ich zu ertragen vermochte. Trotz den Unfalls gehen die Bauarbeiten weiter.

    Am 1. Phex erreichte uns die noch ausstehende Lieferung Marmor. Der Baumeister schlug vor, statt der bisherigen Hütten, richtige Bauernkaten zu errichten, da viele der Expeditionsteilnehmer hier auch nach den Bauarbeiten wohnen bleiben wollten. 

    In der ersten Perainewoche wurde der Fußboden des Tempels verlegt und wir konnten die ersten Säulen errichten. Nach einem Gespräch mit der Nichte von Thorbrand, entschied ich, die Schmiede zu übernehmen, da sie sagte, sie wäre nicht in der Lage es zu tun. Ich stand dem mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es war mir zwar eine große Ehre Thorbrands Erbe zu übernehmen, doch auch mit plagte die Trauer um Thorbrand. Bis zum Ingerimm gelang es uns die ersten 4 Katen zu errichten und im Laufe der ersten Rahjawoche stand auch der Stachstuhl des Tempels. 

    Eines Tages stand plötzlich ein Elf vor der Palisade. Er stellte uns ein Ultimatum bis zu den dunklen Monden mit all dem was wir errichtet hatten, wieder zu verschwinden. Als er wegging, ging ihm Lorion, unser halbelfischer Heiler, nach, um mit ihm zu reden. Nach einem kurzen Wortwechsel, stach der Elf Lorion einfach nieder. Typisch Elfenpack, dachte ich so bei mir. Der Elf flog im Anschluss als Vogel davon. Sie ließen einfach immer die Waffen sprechen, statt vernünftig zu reden. Ich wusste schon warum ich mich von diesem Gezücht fernhielt. Keinem dieser Bastarde konnte man trauen! Wir kümmerten uns um Lorion und unter großer Aufwand all ihrer Kräfte und mit einer der goldenen Perlen, die wir noch aus der Orklandexpedition hatten, gelang es Talaen ihn wieder ins Reich der Lebenden zurück zu holen. In den kommenden Tagen, besprechen wir das Ultimatum des Elfen. Wir entschieden uns, im abgeholzten Wald, neue Bäume zu pflanzen und die Umleitung des Flusses rückgängig zu machen. Rodrik teilte den Elfen dies, unbewaffnet, in einem Gespräch unter 4 Augen mit. Die Elfen beharrten jedoch auf ihrem Ultimatum, doch wir hatten alles in unserer Macht stehende getan. Wir konnten und wollten diesen Ort nicht wieder aufgeben. 

    Am 1. Paios  des Jahres 16 Hal fand ein großes Sonnenwendefest. Ich saß gerade etwas abseits und versuchte das fröhliche Treiben zu meiden als wir plötzlich Thorbrand Walkjirsson erschien. Er redete auf mich ein und hielt mir einen Spiegel vor die Nase. Er teilte mir mit, dass er sich große Sorgen um mich machte, da ich das Leben vor meinen Augen vorrüberziehen ließ, ohne hinzusehen, da ich mich dem Schmerz meiner Vergangenheit hingab. Er hatte recht. Vielleicht hatte ich das was gesucht hatte, schon längst gefunden, meine Gefährten reisen nun schon eine lange Zeit mit mir. Talaen, Rodrik und auch Therion hatten mich nie aufgegeben, egal wie unhöflich oder auch abweisend ich zu ihnen war. Vielleicht waren diese Leute die Familie und die Geborgenheit nach der ich mich schon so lange sehnte. Ich hatte sie vielleicht schon verstoßen, vielleicht hatte ich aber auch noch eine Chance. Wenn mir die Götter mit Thorbrand Walkjirsson einen Boten geschickt hatten, dann hatten sie echt Humor. Ich ging zurück in das Festzelt und entschuldigte mich bei meinen drei Gefährten. Ich hoffte dass sie mir vergeben konnten. Aber wie auch immer sie sich entscheiden sollten, zum ersten Mal seit langer Zeit vermochte ich so etwas wie Freude und Zufriedenheit zu spüren. Ich hatte ganz vergessen, wie sich das anfühlt. 

    Am 30. Efferd war es dann endlich soweit. Der Tempel wurde geweiht. Und am Tage danach, dem ersten Travia, fanden die Hochzeiten von Talaen und Lorion, sowie Therion und Sanya statt. In all meiner Verbohrtheit, hatte ich nicht mitbekommen, was sich hier entwickelt hatte. Ich stellte die Vermählungsringe für Talaen und Lorion, sowie Vermählungsarmbänder für Therion und Sanya her. Während der Hochzeitszeremonie, erschien den Anwesenden Travia und hinterließ der Gemeinde von Travingen ein Goldenes Ei zum Geschenk, dass fortan in diesem Tempel aufbewahrt werden sollte. Nach Phex, war Travia nun die zweite der Zwölfgötter, die ich erblicken durfte. Erneute fühlte ich mich, als Teil von etwas Großem. Doch dieses Mal überwog die Freude darüber in mir darüber. Ich bin nicht allein. Zum erstem Mal seit langer, langer Zeit blickte ich mit freudigen Gefühlen in die Zukunft.

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