Episode 7: Sympathy for the Devil

Autor: Christin Majora
Montag, 05 Juni 2017

  • Sympathy for the Devil 

    Behörde: Division 4, Pentagon, Washington D.C. 

    Berichterfassung: Special Agent Amanda Caulfield                 

    Beteiligte Ermittler: SA Frank Harris

                                        SA Michael D. Fox

                                        SA Amanda Caulfield

                                        SA James Stockdale 

     

    Zeitraum: 03.Juli 1963 – 05.Juli 1963 

    Am 03. Juli erreichte mich der Anruf von Pater Joseph Maximillian, welchen wir vor 20 Jahren während einem unserer Fälle kennenlernten. (Take me to Church). Er lud uns zu der Parade anlässlich des 4. Juli nach Centralia, Pennsylvania ein. 

    Bis einschließlich 06. Juli wurden wir von Director Thompson freigestellt und fuhren noch am selben Tag los. Auf dem Weg dorthin ging der Kühler unseres Dienstwagens etwa eine Meile vor der Stadt kaputt. Wir sahen uns gezwungen den Wagen bis zur naheliegenden Tankstelle zu schieben. Es war außergewöhnlich heiß. Bill Wagner der Besitzer der Tankstelle sicherte uns zu den Wagen innerhalb von drei Tagen zu reparieren. Außerdem wollte er unseren Tank befüllen, in der Hoffnung, dass er bis dahin auch noch Benzin hatte, denn er äußerte den Verdacht, dass ihm trotz Bewachung der Tankstelle, Benzin geklaut werden würde. 

    Wir gingen weiter und fragten uns nach dem Pater durch. Die Straßen und Gärten waren bereits geschmückt und die Bewohner der kleinen Stadt in festlicher Stimmung. Wir suchten Pater Maximillian auf, der uns freudig empfing und uns Gästezimmer in seinem Haus zuwies. Es war noch ein weiterer Gast dort. Eva de la Cruz, 15 Jahre, ein Obdachloses wortkarges Mädchen mit einer schrecklichen Vergangenheit. Der Pater erzählte uns, dass sie ein Vergewaltigungsopfer ihres Vaters und Bruders war. Sie hatte die beiden dann vermutlich getötet und war geflohen. 

    08:00 PM trafen wir uns alle auf der Veranda um einen unterhaltsamen Abend zu verbringen. Eva saß mit einer Gitarre abseits von uns, spielte und sang. Auf die Frage meinerseits, was Maximillian nach Pennsylvania verschlagen hatte, antwortete er, dass er nach den Ereignissen um Gabriel von Mervengus seinen Glauben in Frage stellte und dass er eine Vision hatte. Ein Engel sprach zu ihm „Gehe in die Zentrumsstadt“. Er nahm es an und ging nach Centralia wo er den Platz des zuvor verstorbenen Priesters einnahm. 

    Etwa gegen 08:30 PM fuhr die Feuerwehr an unserem Haus vorbei. Wir folgten ihr und kamen zu dem Hotel der kleinen Stadt. Blaue Flammen schossen aus dem Gebäude. Verletzte und Schwerverletzte lagen um uns herum. Wir begannen mit Evakuierungsmaßnahmen und halfen wo wir nur konnten. Ein Feuerwehrmann mussten SA Fox und ich förmlich aus seinem Anzug und Helm schneiden. Sein Name war Richard Kellerman. Er hatte Verbrennungen 4 Grades erlitten und kaum eine Überlebenschance. Fox sagte, dass dies kein normales Feuer war. Anhand der blauen Flammen tippte er auch ein Alkalimetall welches hier verbrannte. Die Fenster der Nachbargebäude verformten sich. Die zusätzliche Hitze des Sommers lies den Asphalt weich werden. Sogar Gullideckel senkten sich ein Stück ab… Der Fire Chief Mr. Jenkins traf ein und koordinierte seine Mannschaft. Das Hotel war nicht mehr zu retten und sie ließen es kontrolliert abbrennen. Als Brandursache wurde gesagt, dass ein Kohlelager Feuer gefangen hätte, was SA Fox anzweifelte.  

    Am nächsten Tag halfen wir bei der Frühstücksvorbereitung und bereiteten uns auf die anstehende Parade vor. Uns fiel auf, dass sowohl auf den Straßen als auch auf den Fußwegen Holzplanken gelegt wurden. Man sagte uns, dass man so verhindern wolle, dass die Festwagen in den Asphalt einsanken. Und in der Tat. Es war noch heißer als am Vortag.  Unser Weg führte uns zuerst in das Krankhaus der Stadt, wo uns Dr. Armstrong, Chefarzt, über den Zustand des Feuerwehrmannes informierte. Danach gingen Fox und ich zum Sheriff's Department um den Sheriff – Edgar Parker - persönlich zu sprechen und ihn auf die ungewöhnlichen Flammen aufmerksam zu machen. Kaum angekommen schickte er uns mit den Worten, dass wir unseren Urlaub genießen und uns nicht einmischen sollten, wieder weg... 

    Als die Parade am Nachmittag vorbeigezogen war, schlossen wir uns dem Zug an und versammelten uns vor dem Rathaus, wo Bürgermeister John Coddington eine Rede hielt. Während die Nationalhymne gespielt wurde hörte SA Stockdale in einem nahegelegenen Garten Hilferufe eines Kindes. Als SA Stockdale und ich dort eintrafen, sahen wir ein etwa 4 Fuß großes Loch aus dem Dampf entwich. Ein Junge hielt sich an einer Wurzel fest um nicht in die Tiefe zu stürzen. Der Boden des Loches war nicht zu erkennen. Stockdale barg den Jungen, ich holte SA Harris. Als wir zurückkamen lagen die beiden ohnmächtig auf dem Boden. Fox entnahm Blut um dieses zu untersuchen. Die Feuerwehr sperrte den Garten ab. Die Blutproben ergaben wenig später, dass Stockdale eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten hatte. 

    Fox und ich führten ein Gespärch mit dem Bürgermeister, dem Sheriff und Fire Chief Jenkins.

    Jenkins hielt sich schweigend, fast schon resigniert im Hintergrund. Der Bürgermeister und der Sheriff antworteten auf dieses Ereignis, dass es unter den Unfallorten keine Schächte geben würde. Fox äußerte unseren Verdacht, dass es sich womöglich um einen unterirdischen Brand oder vulkanische Aktivitäten handeln könnte. Wir rieten zu Probebohrungen. Diese konnten aber erst nach den Feiertagen stattfinden. Man konnte aktuell keine durchführen hieß es. Auch hier wurden wir mit deutlich unfreundlichen Worten hinaus gebeten. Später sprachen Fox und ich separat mit Fire Chief Jenkins.  Er sagte uns, dass in Centralia seit dem Jahr 1700 Kohle, genauer Anthrazitkohle, befördert wurde.  Von einem seiner freiwilligen Feuerwehr Leute, Tony Stone, wüsste er, dass es auch mittlerweile unterhalb der Stadt illegale Tunnel gäbe. Außerdem war der Bürgermeister Anwalt der Locust Mountain Coal and Iron Company und der Sheriff mit im Aufsichtsrat. Kein Wunder also, dass sie so vehement gegen unsere Ermittlungen waren. Fox und ich erkundigten uns nach dem Zustand des Jungen und SA Stockdale. Beide befanden sich bereits auf dem Weg der Besserung. Während Fox im Labor des Krankenhauses Gasproben aus dem Loch untersuchte ging ich zurück zu Pater Maximillian. Später stieß auch SA Harris dazu. Am Abend bereiteten wir das Barbecue vor. Ein Anruf von Fire Chief Jenkins hielt uns jedoch davon ab. Er könne seinen Kollegen Tony Stone nicht erreichen. Da wir ohnehin Mr. Stone befragen wollten, machten wir uns unverzüglich auf den Weg zu seinem Haus. Im Haus fanden wir in einem Sessel sitzend eine verkohlte Leiche. Kleidung und Sessel vom Feuer unberührt. Der dazu gerufene Sheriff, tat es als unglücklichen Unfall ab und sagte, dass Tony mit einer Zigarette eingeschlafen sei und er Feuer gefangen hätte. Mit den Worten, Jenkins solle die Leiche in die Pathologie schaffen, denn er müsse zurück zu seinem Barbecue, ließ Sheriff Parker uns stehen. Laut Fire Chief Jenkins fühlte Stone sich nicht wohl und wollte sich die Parade aus New York im Fernsehen ansehen.  Auch sagte er uns, dass Stone mit vier seiner Kollegen (Bill Parker, Ralph Hoffman, Archie Abrahamson und Kermit Man) vor den Feiertagen einen Spezialauftrag erledigen sollte. Die fünf wurden mit der Verbrennung der örtlichen Mülldeponie beauftragt. 

    Fox und Stockdale begutachteten die Mülldeponie, während Harris und ich die Kollegen aufsuchten.Bill Parker fanden wir, wie auch Stone zuvor, verkohlt in seinem Keller. Eine Schaufel in der Hand. Kleidung ohne Brandspuren. Er wurde augenscheinlich mitten in der Arbeit überrascht. 

    Ralph Hoffman fanden wir in seinem Apartment in der Badewanne liegend. Ebenfalls tot und verkohlt. Kermit Man trafen wir in seinem Garten an. Steaks für das Fest unter seinem Arm. Plötzlich wurde es vor unseren Augen strahlend hell und als wir wieder sehen konnten lag auch er verkohlt vor unseren Füßen. Wir konnten nichts tun um ihn zu retten, er war augenblicklich tot. Auch hier wurden die Gegenstände und Kleidung verschont. Wir brachten ihn vorerst in seiner Garage unter und suchten den letzten auf der Liste auf:

    In Archie Abrahamsons Haus fanden wir keine Leiche. Dafür stellten wir fest, dass das Haus zwar möbliert, aber augenscheinlich unbewohnt war. Keine Abnutzungen durch alltäglichen Umgang. Keine persönlichen Gegenstände. Es erschien uns wie ein Musterhaus. 

    Auf der Mülldeponie entdeckten die Agents Stockdale und Fox nichts Verdächtiges. Sie nahmen Proben und begaben sich danach zu der Tankstelle südlich von Centralia. Sie erinnerten sich, dass Mr. Wagner sagte, es wurde ihm Benzin gestohlen. Nach einer kurzen Untersuchung der Tanks mit einem Thermometer stellten sie fest, dass sich das Benzin auf 175 Grad Fahrenheit erhitzt hatte.  Um 08:33 PM gab an einigen Stellen der Stadt plötzlich die Erde nach. Brände entstanden. Zurück im Haus des Paters wo wir zeitgleich eintrafen, rief SA Fox die Nationalgarde. Wir koordinierten die Evakuierung so gut es ging, bis Major Henry Flagg die Leitung übernahm. Pater Maximilian und Eva weigerten sich das Haus zu verlassen. Der Chefarzt des Krankenhauses Dr. Armstrong meldete sich und bat Dr. Fox ins Krankenhaus zu kommen.  Richard Kellerman wollte mit ihm reden. Es stand sehr schlecht um den verunglückten Feuerwehrmann und er würde nicht mehr lange leben. Die letzten Worte, die Mr. Kellerman uns mitteilen konnte waren: Abrahamson und Odd Fellow. Mit Odd Fellow konnten wir zunächst nichts anfangen. Zurück im Haus stellten wir fest, dass der Pater und Eva weg waren. Die Gitarre des Mädchens hingegen lag noch dort. SA Stockdale nahm sie mit und wir flüchteten ebenfalls gen Süd-Osten. Aber auch dort fanden wir weder Eva noch den Pater. Jemand von der Nationalgarde sagte uns, dass sie zum Odd Fellow Friedhof gelaufen waren. 

    Es war ein stillgelegter und ungenutzter Friedhof. In der Mitte befand sich eine Krypta, deren Eingang aufgebrochen war. Wir folgten dem Gang nach unten. Es wurde unerträglich heiß, unsere Haut brannte. Vor uns öffnete sich, ein in rotes Licht getauchter, Altarraum. Auf dem Alter lag Eva, Pater Maximilian hing an dem Kreuz dahinter. Davor kniete ein Mann. Hornähnliche Fortsätze auf dem Rücken und glatzköpfig. Er betete voller Inbrunst und schien uns vorerst nicht zu bemerken. Evas Haut wurde rot und sie begann zu schreien. Es sah aus, als würde sie glühen. Als der Priester vor dem Altar uns bemerkte drehte er sich um und wir blickten in das Gesicht von Gabriel von Mervengus, der vor 20 Jahren spurlos aus seiner Zelle verschwand. Er war geschlechtslos und hatte eine Art von Flammen in den Augen. Nach einem kurzen Schrecken der Erkenntnis handelten wir. SA Stockdale bemerkte, wie Eva ihre Gitarre fixierte. Er musste auf dem Weg zum Altar einem Schlag von Mervengus ausweichen und brach sich dabei die Kniescheibe. Dennoch gelang es ihm die Gitarre an Eva zu überreichen. Sie hielt sie fest umklammert. Nach einem kurzen Kampf erlitt Mervengus durch SA Harris einen Genickbruch und zerfiel vor unseren Augen zu Staub. Vorher sagte er noch, dass noch viel mehr gefallene Engel kommen würden. Ich half Eva den Alter runter zu klettern. Harris half Stockdale. Pater Maximilian war förmlich in das Kreuz eingelassen. Er war tot. Um uns herum geriet die ganze Erde ins Wanken. Wir konnten unter großer Kraftanstrengung flüchten. Die Gitarre des Mädchens schien sie zu heilen. Als wir oben ankamen sah sie schon ein wenig besser aus. 

    Es stellte sich heraus, dass die wertvolle Gitarre aus Palo Santo bestand. Einem heiligen Holz der Inka. Womöglich hatte die Gitarre Eva vor schlimmeren bewahrt...

    Der britische Schriftsteller W. H. Auden hat geschrieben: "Wir fürchten uns wohl vor dem Schmerz, mehr aber vor der Stille, denn kein grausamer Alptraum könnte furchtbarer sein als diese Ödnis. Dies ist die Verdammnis. Dies ist der Zorn Gottes."

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