Es war der 13. Boron 1016 nach Bosparans Fall und draußen war es noch immer bitterkalt. Das erinnere ich, denn wir wurden darüber informiert, dass die Wachen am Südtor etwas Ungewöhnliches entdeckt hatten. Auf der anderen Seite der Brücke stand, komplett zugeschneit, ein Planwagen. Wie lange dieser bereits dort stand oder warum dieser erst jetzt entdeckt wurde, konnten wir uns nicht erklären. Nachdem wir mit Hilfe der Wachen den Planwagen vom Schnee befreit hatten, wagten wir einen Blick in den Wagen. Wir sahen dort einen alten Mann auf einer Pritsche, doch bei den Zwölfen irgendetwas stimmte nicht. Der Mann war komplett steifgefroren, als ob er die Kälte nicht hatte kommen sehen. Er hielt sogar noch eine Flasche Winterbeeren-Schnaps in der Hand, als hätte er gerade noch etwas trinken wollen, um sich warm zu halten, und gerade dann war er eingefroren. Ich konnte es mir nicht erklären. Niemand von uns hatte eine Idee dazu, was hier geschehen war. Das Pferd, das die Kutsche gezogen hatte, war ebenfalls tot. Wir entschieden uns das Pferd schlachten zu lassen, denn durch die Kälte, war das Fleisch noch gut erhalten.
Wir kamen im Gasthof „Goldenes Ei“ zusammen und besprachen, wie wir mit dem Toten umgehen wollten. Thalia wollte ihn untersuchen. Wir entschieden, ihn unter dem Baum auf dem Anger zu begraben. Noch war der Boden weich genug und wir wickelten ihn in ein Tuch.
Ein Tag später sah die Welt gänzlich anders aus. Es hatte geschneit. Und wie es geschneit hatte. Noch nie hatte ich es erlebt, dass mehr als ein Schritt Schnee in nur einer Nacht fiel. Es verging gefühlt eine Ewigkeit, bis wir uns einen Weg aus dem Turm zum Rest des Dorfes freigeschaufelt hatten. Pagol brauchte über eine Stunde, um bei den Dragenfelder nach dem Rechten zu sehen. Er rief nach uns und meinte, wir müssten uns etwas ansehen. Als wir bei den Dragenfeldern ankamen, fanden wir Tara und Wulfrik auf der Rückseite von Herons Haus. Hier - das gleiche Bildnis wie bei dem alten Mann auf dem Planwagen. Sie waren schockgefroren und trugen nur ihre Nachtgewänder. Arm in Arm. Sie sahen so glücklich aus. So selig. Es waren gute Menschen. Wir konnten uns das alles nicht erklären. Wir trafen uns wie so oft im „Goldenes Ei“. Eine Erklärung blieb aus. Auch meine Schwester wusste nicht, was hier vor sich ging.
Einige Tage später rief uns Gero Harnischmacher zu sich. Er hatte eine Leiche am Wegesrand gefunden und wollte sich nicht weiter nähern. Wir fanden auch schnell heraus warum. Bei dem Toten handelte es sich um einen Akoluth der Hesinde Kirche. Aber er war bereits tot, bevor der Schnee ihn fast gänzlich verdeckte. Ein Wunder, dass Gero ihn gesehen hatte. Thalia erkannte einen Ritualstab mit einem sehr prächtigen Salamander aus Bernstein. Der Stab war an der Unterseite angespitzt. Nicht um Rüstungen zu durchschlagen, aber spitz genug, um sich damit wehren oder gar jemanden beträchtlich verletzen zu können. Eine Notiz, die er bei sich trug, wies ihn als eine Art Experten für Vampire aus. Einen Experten, oder... Einen Vampirjäger? Das Hesinde-Amulett, dass er um seinen Hals trug stand verbogen von seinem Hals ab und war mit schmieriger Asche besudelt. Uns kam in einer Reihe von Möglichkeiten die Idee, ob nicht vielleicht ein Vampir versucht hatte das Amulett abzureißen. Noch taten wir dies als Theorie ab.
Wir entschlossen uns, den Geweihten erst einmal auf den Anger zu bringen. Schon bei Tara und Wulfrik hatten wir keine Möglichkeit, ein Grab auszuheben. Der Boden war viel zu tiefgefroren. Bei dem Moment als wir gerade dazu ansetzten den Toten ebenfalls in die Plane einzuwickeln fiel uns etwas auf. Wulfrik und Tara hatten ebenso Bissspuren. Wir wussten nicht, warum uns das nicht sofort aufgefallen war. Aber mit dem Hintergrund, war die Umarmung viel mehr ein Abschied. Ich war mir sicher, dass ich Sie vermissen werde.
Doch die Bissspuren bei den Beiden brachten nochmal das Gespräch ins Rollen. Ein vermeintlicher Vampirjäger mit verrußter Brust, eine mögliche Verbrennung, mehrere Gebissene. Bei dem Gedanken fiel meiner Schwester wieder ein, dass Hamet ben Kasim, einer der Flüchtlinge, die aus Uhdenberg kamen, sich an der rechten Hand wohl schwer verbrannt hatte. Er war in meinem Haus untergekommen, mit anderen Flüchtlingen. Wir machten uns so schnell es ging auf. Bei meinem vertrauten Heim angekommen kam mir schon ein modriger Geruch entgegen. Das Heim, welches ich teils mit meinen eigenen Händen errichtet hatte, war nun ein Ort eines beispiellosen Grauens. Drei Männer, drei Frauen und zwei Kinder waren hier mit Hamet untergekommen. Von ihm fehlte jede Spur, doch die anderen waren kaum wiederzuerkennen. Bei Tsa, überall war Blut und den Toten fehlte es. Ich werde in diesem Haus nie wieder Leben können. Es fiel mir schwer, Sanya davon zu berichten. Aber wir kannten nun denjenigen, der dafür verantwortlich war.
Am 23. Boron fand die erste Leichenverbrennung Travingens auf dem Anger statt. Am Abend zuvor sprachen wir darüber mit Sanya. Sie stimmte uns bei und so war es an ihr, den Grabsegen zu sprechen. Als das Feuer loderte, empfand ich ein komisches Gefühl, die Wärme auf der Haut zu spüren, da doch die meiste Zeit die Kälte Einzug hielt. Aber die Worte meiner geliebten Frau brachten auch Wärme in mein Herz, trotz des traurigen Anlasses. Wir konnten nur hoffen, dass die Seelen der Toten ihren Weg in Borons Hallen finden würden.
Es war der 2. Hesinde und mit jedem Tag wurde es immer kälter. Aber durch die vergangenen Ereignisse hatten wir wieder begonnen, verstärkt und regelmäßig Patrouillen zu gehen. Diesmal war ich es, der einen wunderlichen Fund im Fluss machte. Die Travel war bereits seit Wochen zugefroren und umso mehr erstaunte uns der Mann im Eis des Flusses. Zusammen mit Rodrik und Thalia versuchten wir den Goldsucher in verdammter Sommerkleidung aus dem Eis zu holen. Es war unschwer zu erkennen, dass auch er Bisspuren aufwies. Ohne Erfolg brachen wir ab und mit mehr Fragen als Antworten gingen wir zurück ins Dorf. Wo war seine restliche Ausrüstung? Wo kommt er her? Hier gibt es kein Gold. Und warum hatte er Sommerkleidung an?
Es vergingen drei Wochen als wir von einem lauten Knall geweckt und aufgeschreckt wurden. Auf Thalias Turm war tatsächlich eine Harpyie gestürzt. Noch nie hatte ich solch ein Wesen von so nah gesehen. Halb Raubvogel, Halb Frau. Intelligente scharfe Augen. Aber voller Furcht. Sie war schwer verwundet. Die Wunden erinnerten an Reißzähne und waren denen von Pervall Hinterbusch nur allzu ähnlich. Die letzten Worte der Kreatur waren immer und immer wieder. “Was macht es? Was macht es?”.
Der schlimmste Monat war im Firun. So kalt war es noch nie. Es war so kalt, dass jede Flüssigkeit, noch bevor sie auf den Boden traf, gefroren war. Jeder, der länger als eine Viertelstunde im Freien verbrachte, hatte mit Erfrierungen zu kämpfen. Wir beschlossen mithilfe von Pagol und Gero, alle Bauern und deren Vieh in die Stadt zu holen. Die Feuer reichten nicht aus, um alles zu wärmen. Auch wurde unser doch reichlich angehäuftes Brennholz knapp. Alle mussten zusammenrücken. Jeder spendete dem anderen Wärme und Gesellschaft. Einige waren stur und blieben in ihren Häusern. Doch viele folgten dem Ruf.
Die Welt draußen stand still. Niemand und nichts bewegte sich. Wachen wurden in kurzen Intervallen gewechselt um Erfrierungen zu verhindern. Es verging kein Tag mehr ohne traurige Nachrichten. Viele fielen der Kälte zum Opfer. Die Toten wurden auf den Anger gebracht, um sie später zu verbrennen oder vielleicht sogar zu begraben. Verstorbene Tiere wurden geschlachtet und halfen so allen zu überleben. Wir schafften es lediglich die nötigsten Dinge zu erledigen. Nur diejenigen mit einer Aufgabe bekamen zwei Mahlzeiten. Alle anderen lebten von Brot mit Sägespänen gestreckt. Es war schlimm und noch schlimmer mit anzusehen, wenn wieder jemand zum Anger gebracht wurde.
Umso verwunderlicher war der Besuch eines Firnelf. Als er vor dem Tor stand, ließ Rodrik ihn ein und begann ihn mit Fragen zu löchern. Der Elf verriet Rodrik jedoch nur seinen Namen, der Elarion Sturmsucher lautete. Er ging schnurstracks auf den Gasthof zu, ohne Rodrik weiter zu antworten. Dort fragte der Elf nach nach Telor. Keiner von uns kannte ihn und genauso schnell und ohne großes Warten verschwand der Elf, wie er gekommen war. Elfen waren schon immer ein wundersames Volk, aber ich konnte Sie gut leiden.
Ein paar Tage später, es war etwas weniger kalt geworden, klopfte Pagol an die Tür des Magierturms. Rodrik und ich öffneten Pagol die Tür. Er berichtete von Geräuschen und Bewegung auf dem Anger. Am Anger angekommen, entdeckten wir einen Ghul. Sogleich schickten wir Pagol um Thalia zu holen. Wir konnten ja nicht ahnen, dass mit einem einzigen Hieb von Rodrik, sowohl der Kopf des Ghuls enthauptet wurde, als auch Rodrik einen ungewollten Satz auf den Boden machte. Als meine Schwester ankam war alles bereits wieder ruhig. Selten hatte ich Sie so sauer erlebt. Sie ging schnaubend zurück. Wir fanden schnell, woher der Ghul den Weg auf den Anger gefunden hatte. Ein Loch in der Palisade erlaubte es dem Ghul hin durchzuschlüpfen. Wir verschlossen dieses und suchten schnell wieder die warmen Wände des Turmes auf.
Um die Übersicht zu behalten, beschloss Thalia Listen anzufertigen, auf denen vermerkt wurde, wer sich was zu essen vom „Goldenes Ei“ geholt hatte. Schnell fielen einige Namen auf. Auch machten wir uns Sorgen um die Menschen. Das stete Nichtstun ließ die Moral sinken und es gab immer mehr Streit. Von allen litten die Kinder am meisten. In einem Moment der Unachtsamkeit oder Herzensgüte ließ meine Schwester es tatsächlich zu, dass wir die Waisenkinder im Turm unterbringen konnten. Bei den Zwölfen hatte sich Hana gefreut und auch ich genoss die Gesellschaft der Kinder. Wir spielten ausgiebig, hatte ich doch heute frei. Rodrik berichtete später, dass Eichmann Barmhusen auf der Liste von Thalia stand. Als einer derjenigen Bauern, die nicht in die Palisade ziehen wollten, war er in seinem Haus geblieben. Dort fand Rodrik ihn tot auf. Auch er war dem Vampir zum Opfer gefallen. Thalia bestätigte dies. Rodrik war sichtlich betroffen. Eichmann war nicht der beste Mensch, der hier lebte, aber er war loyal und auf seine Weise ein fester Bestandteil und Gründer Travingens.
Mit dem Tsa kam die Wärme und es verschwand der Frost. Es waren Tage des Regens, viel Regen. Alles war schlammig, da die auf dem Bodenfrost liegende Erdschicht auftaute. Die Travel trat über die Ufer und überschwemmte ihr Umland. Auch Teile Travingens standen unter Wasser. Aber etwas Gutes hatte es. Die Wärme brachte auch die Menschen dazu wieder aktiver zu werden. Alle schöpften neue Hoffnung und waren mehr als gewillt alles wieder in Ordnung zu bringen. Noch war nicht die Zeit für Trauer. Es gab viel zu tun. Der Phex war geprägt dadurch, dass wir das Dorf wiederherrichteten. Viele Häuser waren in Mitleidenschaft gezogen. Manche konnten repariert werden. Andere wiederum waren vollkommen unbrauchbar. So ja auch meines. Ich brach auf, um zu sehen, wie sehr der rote Sand zurückgewichen war. Nach Tagen kehrte ich zurück und die Natur hatte sich ihren Anteil schon zu Teilen wieder zurück erkämpft. Auch schienen die Tage der Schmelze und starken Regens große Teile hinweggewaschen zu haben.
Zu Beginn des Peraine verabschiedete sich Mo von uns. Sie und Rodrik schienen sich immer näher gekommen zu sein. Ich freute mich für ihn. Das neu erstrahlte Kriegerherz wirkte lebendiger mit ihr in seiner Nähe. Es war schön mit anzusehen. Sanya schien es auch bemerkt zu haben. Immer wenn wir die beiden sahen, gluckste Sie ein wenig. Kaum war Mo abgereist kamen die ersten Reisenden aus anderen Orten bei uns an. Und dies war wahrlich eine Freude für alle und für Einzelne fielen einige Stein an Gewicht vom Herzen. Ich habe Ardo noch nie so glücklich gesehen. So waren Isha saba Nedim und Frinja Gerberow endlich aus Festum zurückgekehrt. Die steckten dort den gesamten Winter fest. Sie berichteten, dass alle Zufahrtsstraßen gesperrt worden waren. Sie brachten auch viele Vorräte mit. Sie hatten selbstständig Materialien für den Aufbau und viel Nahrung besorgt, als Sie wussten, dass sie den Winter in Festum ausharren mussten.
Am 20. Peraine kam am Südtor Tuêl der Erzähler an. Schnell fanden wir uns alle zusammen. Wir berichteten ihm, was passiert war, von der Kälte, dem Hunger, den Toten und Vampiren. Als wir abgeschlossen hatten, erzählte uns Tuêl von vielen Dingen, die außerhalb geschahen. So berichtete er, dass ganz Weiden, südlich von uns, mit Vampiren zu kämpfen hatte. Er erzählte, dass die Ereignisse in Dragenfeld wohl damit zu tun hatten. Alles Folgende was er erzählte wurde immer fantastischer. Vieles davon verstand ich nicht so recht. Ich war schließlich kein Gelehrter. Meine Schwester wirkte aber so, als ob sie all die Informationen aufsaugte wie ein trockenes Tuch das Wasser. Er sprach von Magierkriegen vor 500 Jahren und einen Dämonenmeister Borbarad. Wie er von Rohal gefangen und eingesperrt wurde. Ein Anhänger Borbarads, Liscom von Fasar, schien einen Weg gefunden zu haben, eben diesen zu befreien. Dies führte zu dem roten Staub aus der gorischen Wüste. Wo auch immer diese lag. Er sprach auch davon, dass eine Geweihte in Dragenfeld verführt wurde und so ein Ritual wirkte. Dies hatte dem Landstrich 500 Jahre gestohlen. Die Vampire sammelten wohl Lebenskraft. Wie konnten diese denn Lebenskraft sammeln?
Ich war kurz abgelenkt, aber scheinbar waren diese Geschehnisse teil einer Prophezeiung. Tuêl zeigte uns zwei Schriftrollen. Sehr alt. Kaum zu lesen und in großen Teilen unleserlich. So gut es ging, schrieb ich den entzifferbaren Inhalt nieder.
Die Al’Anfanischen Prophezeiungen des Thamos Nostriacus, sie sind über 500 Jahre alt. Nostriacus war ein Zeitgenosse Rohals. Als dieser Text geschrieben wurde, war Borbarad noch nicht geboren worden.
Erste Schriftrolle
Erster Spruch: Von der Zweiheit der göttlichen Ungaben
Zweimal, nicht einmal wird der Zwist der Zwillingsbrüder offenbar, und der Geber der Gestalt unterliegt, damit der Nehmer der Welt unterliegen muss.
Zweimal, nicht einmal werden die tumben Söhne Ogerons dem Kreuz des Nordens folgen.
…
Zweimal, nicht einmal werden die Legionen des Roten Mondes vor das Haus Gelben Sonne treten.
Zweimal, nicht einmal wird der Rabe nach dem Thron des Herren über Zwölf greifen.
Zweiter Spruch: Von Drachen und Kaisern
…
Dritter Spruch: Von den Handlangern des Untergangs
We....r Diener je…ts des Tod.. de..eister außerh… des Tod....ft.
…n die ….erberin der Leib....nen Leib d.. V….rbe..er ..lten ver…afft.
Wenn die verlorenen Scharen der Gestaltlosen annehmen die Gestalt der Schar der Verlorenen.
Wenn aus kristallenem Herz der geraubte Schlangenfürst spricht.
Wenn die Bäume auf der See wurzeln, die Festungen über Land wandeln, und die Belagerungstürme über den Himmel ziehen.
Vierter Spruch: Von den Sieben Gezeichneten
..nn … ….ine Ahn..de mit d....madinen Aug. ….kommen.
…. ….ote des wa…lnden Bild.. zum Bündnis …tet.
Wenn das kühne Tier mit dem Krötensinn seinen Kürschmeister gekürt.
Wenn fünf firnglänzende Finger den Fluch der Felder gefunden.
…
Wenn das geflügelte Geschoß dem Grauen der Götter gilt.
Wenn aus sieben Schalen Schärfe schäumt, dagegen kein Schrecknis gewachsen ist.
Fünfter Spruch: Vom Ende des Zeitalters
Dann wird in den Kerker der feurige Blick des Weltenschöpfers fallen.
Dann wird die rote Saat der Gor aufgehen.
Dann wird die letzte Kreatur geboren und gebären.
Dann werden Löwin und Einhorn zu zweien ins Tal der Finsternis gehen.
Dann werden die Wasser blutig und die Brunnen sauer, der Regen brennend und das Land schimmelig.
Dann wird die Brut den Boden verschlingen.
Dann wird der Rausch der Ewigkeit über die Schöpfung wehen.«
Ich verstand nicht viel davon. Ich stotterte die Worte so vor mich hin und hoffte darauf, dass Thalia etwas damit anfangen konnte. Tuêl meinte die folgende Schrift sei noch älter als die von der ersten Schriftrolle. Die Orakelsprüche von Fasar, manche behaupten, diese seien vor 500 Jahren in einem Siechenhaus in Fasar entstanden: Die Legende will, dass ein Zauberer, der an der Duglumspest erkrankt war, Selbstmord beging. Währenddessen fingen die Sterbenden an, diese Prophezeiung zu brabbeln, jeder einen anderen Spruch, immer und immer wieder. Andere wiederum behaupten, der Ursprung der Orakelsprüche reiche in die Zeit der Skorpionkriege zurück, also vor über 2.000 Jahren. Dem vorangegangenen – dem 10. Zeitalter...
Zweite Schriftrolle
I. Spruch
… SEIN Diener st..bt und kann d… nicht sterb..
… Legio…..s Blutgott.. in..erz des Gr…en … So.n .es .uchses …
Wenn der Tote den Toten beschwört, werden sich auftun die Sphären, und es wird sein ein Heulen und Zähneknirschen unter den Zauberern und Gegenzauberern und den Leuchtenden Erleuchteten. Dann wird erscheinen der Erste der Sieben Gezeichneten und sein Zeichen wird sein der Rubin und das Wissen um SEINEN Namen.
II. Spruch
… ges….ne Zung. … alte Geg..r …der zus….nfinden.
… Schlaf d.. Hüt..s … doch …ht ihr.., und das fo..lose Grau.. wird ann..men grau…e Fo...
Dann wird erscheinen der Zweite der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die Kreatur und das Wissen um SEINE Gestalt.
III. Spruch
Wenn zw…ch Offenbaru..en sich Unle…..ch einen …ählten, auf daß ….
… werden die Ban….de erbeben … werden w..re P….en des Grauens sein für …. die, ….
Dann wird erscheinen der Dritte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein die zweite Haut. Und das Wissen um SEINE Macht.
IV. Spruch
Wen..ie alte Tochter e…..ue Mu..er gefun..n hat, wird …. und acht ..ine die Wa…. te.len … begraben die Lande ….
… ….elnde Ver..rbnis ….
… geschändet.. Ort …..n, und beide wer..n ihren M..ster fi..en.
Dann wird erscheinen der Vierte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird die fünfstrahlige Welt sein und das Wissen um SEINE List.
V. Spruch
Wenn der unh..lige Verfüh..r E….g hält ….
…, wird d.. Not ..oß sein und die Zei...app, und der N…er der Welt ..rd dem G.ber der …alt wei.hen, …..
Dann wird erscheinen der Fünfte der Sieben Gezeichneten und sein Zeichen ….
VI. Spruch
We.n die Mei.ter der S..hs ihre Tore öf..en werden …. Niederhö..en das ..nd erd..ckt, … kalte Rache ….
…. Wenn der Geifer der Sie.ten in den Nabel der D..ten tropft, wird der Anbeginn der Sch…ung, das E.de der Welt schauen, und der nimm..müde Blick des Sch.pfers wird erschöpft in den K…er fall.. und mit sich reißen all das, was ..ine Kinder Ordnung heißen.
Dann wird erscheinen der Sechste der Sieben Gezeichneten und sein Zeichen wird sein die Lanze und das Wissen um SEINEN Plan.
VII. Spruch
We.n die H…en des ble..hen Fleisches wieder dem K..uz des Nordens f…en und der gespre..elte Schlächter wieder nä…ens wa.delt, werden … die Ster.ende gepfählt wird …, die Luft glüh.n und der Boden schmelzen, …
… sie werden zur ..zten Waffe greifen und erwecken den Le.zten F…d der Gött.r, …
verd…en, doch Ni..and wird ..N aufhalten weil Nichts IHM wider…hen kann, wenn erst der Ra..ch der E..gkeit über die Schöpf..g weht bis ans Ende Aller Zeiten.
Dann wird erscheinen der Siebte der Sieben Gezeichneten, und sein Zeichen wird sein der Streich und das Wissen um SEINE Zeit.
Schluss
Wenn das Erste Zeichen Seinem Hass erliegt, das Zweite Seinem Willen gehorcht, das Dritte Seinen Krieg führt, das Vierte Seinen Weg beschreitet, das Fünfte Seinen Zwist begräbt, das Sechste Seine Göttlichkeit besiegelt und das Siebte Seine Bestimmung annimmt, dann werden geopfert die Sieben Zeichen sein, und ewig bleibt nur ER und die Ruhe vor SEINEM Sturm
Tuêl ließ uns darüber kurz nachdenken und fuhr dann fort. Er erzählte, dass es in jedem Zeitalter Gezeichnete gegeben hatte, doch noch nie alle sieben gleichzeitig. Dann berichtete er, dass sich Teile der Prophezeiung bereits erfüllt hatten.
Plötzlich blickte Tuêl nach draußen in den Nachthimmel. Ich folgte seinem Blick und zuckte zusammen, als er rief, dass wir sofort aufbrechen mussten und nur mitnehmen sollten, was wir entbehren konnten. Während Thalia und Rodrik zusagten, zog sich mein Magen zusammen und Sorgen entfalteten sich. Wollte ich Sanya und Hana allein zurücklassen? Ich verweigerte meine Zusage zunächst und ging in den Tempel um mit Sanya zu sprechen. Sanya, die Liebe meines Lebens, fand dann die richtigen Worte und überzeugte mich, der Quest zuzusagen, denn wenn die Lage wirklich so aussichtslos sei wie Tuêl sagte, wäre es auch in ihrem und Hanas Sinne, wenn wir alles versuchten die Dinge zum Besseren zu wenden. Ich liebte sie so sehr. Als ich den Tempel verließ, warteten Thalia und Rodrik draußen bereits auf mich. Anschließend packten wir unsere Ausrüstung zusammen und machten uns mit Tuêl auf den Weg in die Salamandersteine.
Dort erreichten wir nach 10 Tagen ein Hochplateau namens Êibhavalvan. Nach einer kurzen Rast, führte Tuêl uns zu dem Rand des windumtosten Hochplateaus, wo fünf uralte Eiben ihre Kronen zu einem Dach vereinten. Man konnte von hier über da ganze Svellttal sehen. Er erklärte uns, dass wir am Rande einer Satinavspforte standen und dann verkündete er uns unsere Aufgabe."Geht nach Grangor. Sucht den Hutmacher. Der wird euch helfen das Kind zu finden. Auf dem Weg kann euch ein junger Zauberer helfen. Sagt im nicht woher ihr kommt oder was der Zweck der Reise ist. Sagt ihm am besten Garnichts." Dann übergab er uns eine Sanduhr und erklärte, dass wir für unsere Aufgabe nur so lange Zeit hatten, solange der Sand in der Sanduhr hinabrieseln würde. Danach würde sich die Satinavspforte schließen. Thalia, Rodrik und ich blickten uns an und nahmen einander an den Händen. Dann machten wir gemeinsam den Schritt über den Abgrund hinaus.