Schatten über Riva

Autor: Roger König
Freitag, 04 November 2016

  • »Wir hatten also gerade Gashok verlassen, um den, von Sanyas Tante erwähnten, Alchemisten Tyros Prahe in Riva aufzusuchen. Der Duft von Abenteuer - bei meinen Kameraden vielleicht auch der Ausblick auf Goldstücke - muss uns blind gemacht haben, denn es war Ende Boron und wir waren ohne Proviant unterwegs. Unsere erste Rast sollte also in der Wildnis auf uns warten. Während Herr Leuegrimm.. Warum ich ihn immer Herr Leuegrimm nenne? Ha. Weil er mein Schwertbruder ist, und es ein besonderes Privileg ist, seinen Vornamen zu kennen. Das respektiere ich. Also, wo war ich? Achja.. Herr Leuegrimm und ich waren also dabei einen Schneewall zu errichten, der uns vor dem kalten Wind in der Nacht schützen sollte. Es war schon eine ganze Weile her, dass ich so ein provisorisches Nachtlager errichtet hatte. Und erst recht im Winter. Ich muss mich furchtbar angestellt haben, denn schon bald kam Terion Firnwulf zu mir und zeigte mir, wie man es richtig machte. Das war mir durchaus unangenehm. Aber nun denn. Ich will ja keine Lügengeschichten erzählen. Als das Lager also errichtet war, gingen Herr Leuegrimm und Terion auf die Jagd. Und was soll ich sagen, Firun meinte es gut ihnen und so kamen sie mit 2 prächtigen Rotpüscheln wieder. 

     

    [...] Nach einigen Tagen erreichten wir endlich das Dörfchen Hillhaus. Ich weiß noch, wie enttäuscht meine Gefährten aussahen, als sie merkten, dass es keinen Gasthof gab und während Herr Leuegrimm sofort Richtung Schmied marschierte, ging zum nächsten Bauernhaus. Daneben stand eine prächtige Scheune, die besser als eine Nacht im freien war. Der Bauer - Wulfhelm, der Ältere hieß er, glaube ich - ließ mich ein und an sein Feuer. Natürlich würden wir nicht in seiner Scheue übernachten, sondern in seinem Haus. Travia sei Dank. Die Großzügigkeit dieses Fremden rührte mich sehr. Als Gegenleistung wollte er nur, dass wir etwas zu essen beisteuerten. Zum Glück hatten wir ja noch etwas Fleisch von den Rotpüscheln übrig. Der Bauer kaufte Terion sogar die Hasenfelle, für einige Silberstücke, ab. Aus irgendeinem Grund beteiligte er mich an dem Umsatz. Dabei hatte ich nichts zu der Jagd beitragen. Trotzdem freute ich mich sehr über das Silberstück. Nach einem ordentlichen Frühstück am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns vom guten Wulfhelm und kauften noch etwas Brot für den Weg nach Kvirasim. Bis dort würden wir einem Pfad durch den Silberbuchenwald folgen, was wir auch taten. Als wir Kvirasim erreichten, merkten wir dies nicht einmal. Wir wussten nicht, dass Kvirasim eine Elfensiedlung war. Eine Stadt in den Bäumen. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Herr Leuegrimm war gar nicht begeistert. Man könnte meinen, er stamme von Zwergen ab. Weil der die Elfen so verabscheut, meine ich. Nicht weil er so aussah. 

     

    [...] Der Flussschiffer ließ uns noch vor Riva an Land gehen, da er uns über den Hafen nicht in die Stadt bringen dürfe. Wir mussten das Tor passieren und eine Gebühr von 1 Kreuzer pro Bein bezahlen. Das ging ja gut los. War meine Geldkatze doch nur sehr spärlich befüllt. Als wir das Tor passierten, verschlug es mir jedoch den Atem. So eine große Stadt hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Und hier auch nicht erwartet. Bleiglasfenster, vierstöckige Gebäude, eine Kanalisation. Ich war beeindruckt. Meinen Gefährten war nur kalt. Und so wollten sie unbedingt ein Badehaus aufsuchen. Wir fanden auch eins. Ein nivesisches. Ich konnte mir das nicht leisten, sagte ja schon, wie spärlich meine Geldkatze gefüllt war und so lud Terion mich ein. So ein Badehaus kannte ich nicht. Es gab 3 Kammern, in denen es unterschiedlich heiß war und wir schwitzten uns sozusagen sauber. Lacht nicht, kann ich ja nichts für, wenn ihr so etwas noch nicht gesehen oder gehört habt. Auf jeden Fall speisten wir auch noch in diesem Badehaus. Dort war es, dass Herr Leuegrimm mich auf das Brandmal auf meiner linken Schulter ansprach. Nun guckt nicht so und hört lieber zu. Er wollte wissen, was ich denn verbrochen hätte und ob ich etwa auf der Flucht sei. Ich schwor ihm, bei Praios und völlig reinen Herzens, dass ich zwar Unschuldig gewesen wäre, trotzdem verurteilt wurde und meine Schuld 3 Jahre lang im Steinbruch abgearbeitet hätte. Die Nacht verbrachten wir anschließend in der Hafenspelunke "Zum fliegenden Bornländer". Nicht ohne vorher mit den Seeleuten zu trinken und Narbengeschichten zu erzählen. Und AYE, das haben wir. 

     

    [...] Eigentlich waren wir zur Markthalle gegangen um nach einem Aushang von Tyros Prahe zu schauen. Schließlich waren wir deswegen in die Stadt gekommen. Doch stattdessen fanden wir einen Steckbrief. Ausgestellt auf Terion Firnwurlf, meinen Kameraden. 50 Dukaten warteten auf denjenigen, der ihn lebendig in Lowangen abgeben würde. Von mir musste Terion nichts befürchten, soviel stand fest. Von Talaen auch nicht. Herr Leuegrimm jedoch.. Zugegeben, 50 Dukaten waren viel Gold. Nun zunächst war noch alles gut. Phex war mir hold und so konnte ich die Torfstecherstiefel, die mir der Torfstecher in Beonfirn gegeben hatte zu überraschend viel Gold machen. War wohl der berühmteste Torfstecher Dere's. Auch meine Kameraden füllten ihre Geldkatzen etwas auf, während Herr Leuegrimm Terion gar nicht mehr aus den Augen ließ. Es kam, wie es kommen musste. Als Herr Leuegrimm das erste mal aussprach, was ich bereits befürchtete, nämlich, dass er ihn ausliefern würde, nutzte Terion Talaens und meinen Einspruch um in der Menge zu verschwinden. Herr Leuegrimm hetzte sofort hinterher und so waren nur noch Talaen und ich übrig. 

     

    [...] Auf einen Wink der Wirtin folgten wir Terion und dem Narbengesicht in den Keller der Schenke, den Terion für unseren Treffpunkt ausgesucht hatte. Von Herrn Leuegrimm fehlte immernoch jede Spur. Wir bogen gerade um eine Ecke, als ich hörte, wie Terion diesem Fremden gegenüber sagte, dass sich noch herausstellen würde, ob Talaen und ich vertrauenswürdig seien. Der mysteriöse Mann führte uns dann weiter in die Katakomben unterhalb Rivas. Als dann von woanders plötzlich Herr Leuegrimm in die Katakomben geführt wurde, war ich völlig verloren. Was ging hier gerade vor. Nun, es wurde uns erklärt. Und noch mehr als das. Wir erfuhren, dass das hier das Versteck der Diebesgilde war und wir seitdem wir die Stadt betreten hatten, beobachtet wurden. Der Anführer, ein Mann dessen Name hier besser unerwähnt bleibt, erklärte uns, dass man eine Aufgabe für uns hätte. Wir sollte eine nahegelegene Zwergenbinge ausräuchern. Also sprichwörtlich. Ein Zauberer hätte sich dort breit gemacht und man hätte zu lange nichts von den Zwergen gehört. Und Herrn Leuegrimm wurde zur Zusammenarbeit ermahnt. Er könne Terion nicht in Lowangen ausliefern. Sobald er das tun würde, würde er selbst festgesetzt werden. Denn auch er wurde gesucht, jedoch ohne Steckbrief. Ich fiel aus allen Wolken. Talaen und ich waren wohl die einzigen, hinter denen niemand her war. Sollten wir den Auftrag annehmen und erfüllen, würden wir 50 Dukaten erhalten, die wir über die Diebesgilde umsetzen könnten. Nun, das war definitiv besser als nichts. Und der Winter stand vor der Tür. Und Tyros Prahe war nicht mehr in der Stadt. Also kam das Gold gerade recht. Schließlich mussten wir hier vermutlich überwintern. Wir nahmen an. Nachdem wir unsere Ausrüstung noch etwas in Schuss gebracht hatten, brachen wir auf.

     

    [...] Nachdem wir an etlichen toten Zwergen vorbei gekommen waren, erreichten wir nun eine Art Kantine, in der 6 schlafende Orks lagen. Aufgrund meiner Rüstung, die mir das Schleichen erschwerte, schlug ich vor, dass Terion sie im Schlaf meucheln sollte, dies misslang allerdings grandios. Nach weniger als 2 Schritt trat er auf etwas, was die Orks weckte. Also kämpften wir. Ork um Ork fiel unter meiner Klinge, auch Herr Leuegrimm hielt blutige Ernte, während Terion früh schwer verwundet wurde und Talaen uns magisch unterstützte, in dem sie erst unsere orkischen Gegner blendete und dann, als der Oger kam - Ja, ihr habt richtig gehört - uns verzauberte. Alles um mich herum, und ich glaube Herrn Leuegrimm ging es genauso, wurde langsamer. Gleichzeitig habe ich mein eigenes Herzklopfen noch nie so laut gehört, wie in diesem Kampf. Ich mache es kurz. Herr Leuegrimm und ich erledigten den Oger. Deshalb sagte ich vorhin, er sei mein Schwertbruder. Rondra war uns wahrlich hold in diesem Kampf. Wir gingen nahezu unverletzt aus dieser Begegnung mit dem Oger. Also Herr Leuegrimm und ich. Talaen heilte Terions schwere Verletzungen im Anschluss an den Kampf, so wie sie es schon bei dem verletzten Reiter in Beonfirn getan hatte. Der Blick von, sich wie von geisterhand, schließenden Wunden, von Fleisch, das entsteht, wo vorher nur eine blutige Wunde war, ist wunderschön und abstoßend zugleich. Terion ging es anschließend wieder gut. Talaen sei Dank. 

     

    [...] Wir folgten dem Geheimgang in die dunkle Tiefe. Die Aufregung, die seit dem Kampf mit dem Oger, Besitz von meinem Körper ergriffen hatte, ließ langsam nach und ich glaube, das war es auch, wieso Herr Leuegrimm plötzlich nicht weiter gehen wollte. Wir waren gerade schon ziemlich knapp dem Tode entkommen. Und er sagte etwas, wie, dass ihn dieses kalte, schwarze gewölbe an das Nebelmoor erinnerte. Bei dem Gedanken schauderte es mich. War dies hier ein ähnlicher Ort? Ich hoffte nicht. Herr Leuegrimm blieb jedoch stur. Er würde uns nicht hier hinab folgen. Nun gut. Terion, Talaen und ich gingen also alleine weiter. Was nun folgte waren Räume, die bewohnt aussahen. Ein Labor, eine Bibliothek, immer wieder mir unbekannte, arkanile, nein arkane Zeichen auf dem Boden. Und jede Menge Bücher. Talaen sackte sie alle ein und ich konnte dabei die Gier in ihren Augen sehen. Die Bücher waren groß und schwer und kurz darauf bat sie mich die Bücher für sie zu tragen und ich lehnte ab. Gier führt zu nichts Gutem und ein wenig machte mir die Gier in ihren Augen auch Angst. Je länger wir dort unten waren, umso mehr konnte ich Herrn Leuegrimm verstehen. Ich wollte auch nicht mehr hier sein. Doch ich konnte und wollte meine Gefährten nicht alleine lassen. Als wir in einem weiteren Raum, den Magier, tot in einem Bett auffanden, bat ich Talaen darum, dass wir doch nun wirklich endlich gehen könnten. Der Magier war tot, wir hatten unseren Auftrag erfüllt. Doch es war, als hörte sie meine Worte nicht. Die Gier hatte Besitz von ihr ergriffen. Terion half ihr beim Tragen der Bücher, doch es wurden mehr und mehr. Und dann passierte es. Erst sahen wir nur 2 glühende Augen, umgeben von Dunkelheit. Als die Gestalt sich auf uns zubewegte, konnte ich die Konturen einer Kapuze erkennen. Und ein Schwert und eine Peitsche. Endlich war auch Talaen bereit zu gehen. Ich würde nicht ihre Bücher tragen, aber ich konnte sie tragen. Und das tat ich. Terion ging voran, rückwärts, durch die Gänge, bis zur Treppe. Pfeil um Pfeil schoß er auf das Wesen, doch sie richteten nichts aus. Auch mein Schwert konnte nichts ausrichten. Erst als Talaen mir ihren Stab reichte, gelang es mir, das Vieh auf abstand zu halten. Immer wieder traf die Peitsche mich an Armen und Beinen, doch ich hielt stand. Bei Rondra, ich würde diesen Stab nicht los lassen, es war das einzige, was das Monster auf Abstand halten konnte. Und so gelang es uns tatsächlich die Treppe hoch und durch die Tür zu entkommen. Herr Leuegrimm, der hier gewartet hatte, schloss sie und ich brach zusammen. Das war gerade noch einmal gut gegangen. Was? Ihr glaubt den letzten Teil nicht? Dann seht her.. «

     

    Und der alte Recke zieht die Ärmel seines Hemdes hoch und auf den Unterarmen kann man die Schatten der Male, die die Peitsche hinterließ, noch immer erkennen. 

     

    - So gehört in einer Taverne

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